Top-Story im Oktober 2012: Geschichts-Runde

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig, Foto: Carsten Krome

PORSCHE SCENE Fairs & Venues // Messen, Museen

Rundgang durch die historische Sammlung im "Diamanten" des Porsche-Kundenzentrums im Werk Leipzig

Etwas abseits der Betriebsamkeit, die das am 31. Januar 2009 eröffnete Werksmuseum am Porscheplatz 1 in Stuttgart-Zuffenhausen kennzeichnet, besteht eine weitere große Sammlung historisch bedeutender Porsche-Fahrzeuge. Sie ist im vierten Stock des Leipziger Kundenzentrums – dem weithin sichtbaren "Diamanten" – untergebracht. In architektonisch anspruchsvoller Umgebung können Juwelen der Porsche-Vergangenheit bestaunt werden. Und das in ganz entspannter Atmosphäre, wie Carsten Krome bereits mehrfach feststellte. Die Kamera im Anschlag, den Kopf voller Erinnerungen, lief er noch einmal im Kreis umher. Seine Empfehlung ist eindeutig: Auch Sie sollten unbedingt vorbeischauen!

Im obersten Stockwerk des Kundenzentrums, dem architektonisch reizvollen "Diamanten", erwartet die Besucher eine Rundreise durch die Porsche-Geschichte. Sie ist mühelos zu Fuß zu bewältigen, nimmt jedoch mindestens eine Stunde in Anspruch. Das ist weniger der Wegstrecke geschuldet, als vielmehr dem atemlosen Staunen alle paar Schritte – da reihen sich in schlichter Unschuld Wahrzeichen aus Zuffenhausen, Weissach und natürlich Leipzig aneinander, als wäre das die normalste Sache der Welt! Und niemanden scheint es sonderlich aufzuregen, die Atmosphäre ist emotional unaufgeladen – sehr angenehm zuweilen! Zumal das Gegenteil von Rummel zwangsläufig eine Intimität entstehen lässt, die fast schon weltexklusiv ist! Der 917/10, den das US-Ass George Follmer in der CanAm-Serie 1972 steuerte, kann seine Marktgeltung allerdings nur schwerlich verbergen. Als Matthew Drendels Nachlass am 9. März 2012 auf Amelia Island unter den Hammer des Auktionshauses Gooding & Company kam, erzielte sein 1973er 917/30 eine Rekordsumme in Höhe von 4,4 Millionen US-Dollar. Dass an George Follmers Ex-Arbeitsplatz (Chassis 917/10-005) der Schaumstoff der Sitzschale zerbröselt, tut seinem Geldwert keinen Abbruch. Er liegt auf dem Niveau des 917/30, der nur ein Jahr nach dem 917/10 die gesamte US-Szene in Grund und Boden stampfte.

1995 war von den “World Sports Cars“ (WSC), die Porsche im Vorfeld der 24 Stunden von Daytona beim Schotten Tom Walkinshaw in Auftrag gab, dasselbe zu erwarten. Die offenen Zweisitzer waren von den 1991er Gruppe-C-Jaguar XJR-14 abgeleitet worden, die Ross Brawn entwarf. Turbo-Motoren, jene gefürchteten Sechszylinder-Boxer mit ellenlanger Erfolgsbilanz in der Gruppe C, sollten sie antreiben. Der Zank war vorprogrammiert, und nach Diskussionen um kurzfristig auferlegte Restriktionen zog das Porsche-Werk die beiden Spyder wieder zurück. Mario Andretti, der Formel-1-Weltmeister des Jahres 1978, hatte zu den prominenten Fahrern gehören sollen. 1996 bis 98 nahm sich Reinhold Joest der verwaisten TWR-WSC-Porsche an. Die Ausbeute: Siege bei den 24 Stunden von Le Mans 1996 und 97 – allerdings nicht mit dem Chassis, das heute in Leipzig steht und 1998 von David Murry, Pierre-Henri Raphanel sowie dem kauzigen Engländer James Weaver pilotiert worden ist. In perfekter Harmonie verweilt unweit des LMP1-Prototypen, der zuletzt vor 14 Jahren im Namen der Porsche AG in Le Mans antreten durfte, einer seiner Wegbegleiter, der 1997er 911 GT1 Evo. Das Coupé führte die Spiegelei-Hauptscheinwerfer der neuen Generation 996 offiziell ein. Doch der Traum vom Sieg an der Sarthe platzte am Sonntagvormittag, als sich Ralf Kelleners auf der Mulsanne-Geraden aus dem noch rollenden GT1 in Sicherheit bringen musste – jähes Ende einer Dienstfahrt. Der Zwischenfall ließ den lange Zeit an zweiter Stelle liegenden Joest-TWR-Porsche auf den ersten Platz vorrücken – die Entscheidung in einer hart geführten Verfolgungsjagd unter Markenkollegen.

Acht Jahre nach diesem Ereignis erteilte der Vorstand die Freigabe für den Bau eines LMP2-Sportwagens, des Porsche RS Spyder (Typ 9R6) mit 3,4 Liter großem Achtzylinder-Saugmotor. Ein Exemplar der ersten Evolutionsstufe fand den Weg nach Leipzig, ebenso ein Helm des Werksfahrers Timo Bernhard einschließlich des HANS-Systems. Eine feine Drahtschlinge sichert den Kopfschutz des Siegers der 24 Stunden von Le Mans 2010 (übrigens auf Audi R15 TDI) vor Souvenirjägern. Porsche RS Spyder nahmen 2008 und 2009 am französischen Langstrecken-Klassiker teil. Sie erreichten Top-Ten-Resultate, worüber wir stets berichteten. Das mag nicht allzu lange her sein, doch im unmittelbaren Vergleich mit den futuristischen Konstruktionen des Jahrgangs 2012 macht sich der sieben Jahre alte DHL-Porsche in leuchtendem Gelb fast konventionell aus. Gleichfarbig dokumentiert ein Carrera GT (Typ 980) die Anfangsjahre des Porsche-Standorts Leipzig. 2003 am Lac Léman, sprich: Genfersee – der automobilen Welt vorgeführt, besetzte der Zehnzylinder-Bolide nach dem 959 wieder einmal das Segment der Supersportwagen. Und: Der 918 Spyder wird in die Fußstapfen des Carrera GT treten. Dessen entblößter Kohlefaser-Rumpf fasziniert auch noch neuneinhalb Jahre nach seiner Präsentation anlässlich des Genfer Automobilsalons 2003. Es ist ein Kunstwerk der Hochtechnologie, das von seiner Gültigkeit nichts eingebüßt hat. Unsere Konsequenz: Wir widmen dem Carrera GT – Ehrensache! – eine historische Aufarbeitung.

Deutlicher an der Großserie orientiert und auf dem Sammlermarkt überaus gefragt sind die frühen Cup-Ausführungen des 944 turbo und des Carrera 2 der Baureihe 964. Aber auch die 2001 anlässlich des Carrera-Cup-Finalrennens auf dem Hockenheimring gezeigte Facelift-Version des GT3 Cup verdient ihren Platz. Legendenstatus genießt darüber hinaus die Rallye-Ausführung des 924 Carrera GTS, die unter Walter Röhrl und Christian Geistdörfer 1981 in der Deutschen Rallye-Meisterschaft zum Einsatz kam. Für so manchen Besucher wird sich das Wohlgefühl einstellen, diesem oder jenem Exponat schon einmal begegnet zu sein. Und so entfährt dem allmählich aufgereizten Betrachter hin und wieder ein: "Ach so, hier bist Du also geblieben!". Das trifft genauso auf die 1983er Studie des Porsche 959 zu. In ihrem Perlmuttweiß tarnte sie sich als kommende 200er-Serie für die Gruppe B. Doch die Geschichte nahm ihren eigenen Lauf, und der Supersportwagen der achtziger Jahre blieb Werkseinsätzen bei den 24 Stunden von Le Mans (als Typ 961) und der Rallye Paris-Dakar vorbehalten. Im Kundensport war der technisch aufwändige Allradler nicht anzutreffen. Einer gänzlich anderen Liga zugehörig ist das 1972er 911 E 2,4 Coupé mit dem schmückenden Beinamen “Dorothea“. So hieß Ferry Porsches Ehegattin, und er schenkte der überzeugten Sportomatic-Fahrerin dieses wunderschöne 165-PS-Exemplar. Der jüngeren Vergangenheit zugehörig ist der 2009 binnen eines einzigen Wochenendes ausverkaufte 911 Sport Classic der Baureihe 997 – auch das bereits ein veritabler Meilenstein in der Porsche-Geschichte.

Ein roter Porsche-Traktor bietet jenen, die aus lauter Begeisterung immer wieder aufs Neue im Kreis laufen möchten, eine Orientierungshilfe. Er ist, einem Uhrzeiger gleich, quer zur Ausrichtung der übrigen Ausstellungsstücke abgestellt worden. Und wer sich nun partout für kein Lieblingsmodell entscheiden kann, den erwarten im Erdgeschoss noch einmal dieselben Luxusprobleme. Denn viele der oben dargebotenen Preziosen können unten, im Foyer, in kleineren Maßstäben erworben werden. Alsdann klingt die Zeitreise aus, um auf dem Rückweg in die geschichtsträchtige Stadt Leipzig gleich wieder gestartet zu werden. Ob mit dem eigenen Porsche, dem Flugzeug oder der Bahn – entgehen lassen sollten Sie sich diesen Trip auf gar keinen Fall!

Von: Carsten Krome

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