7. März 2013: Walter Röhrl feiert 66. Geburtstag

Eine aus heutiger Sicht historische Glanzleistung bei Regen und Nebel: dritter Gesamtrang mit dem 911 Cup Coupé beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 1992

Eine aus heutiger Sicht historische Glanzleistung bei Regen und Nebel: dritter Gesamtrang mit dem 911 Cup Coupé beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 1992

Virtuose am Volant: Walter Röhrl nahm Sie 2012 in vier aufeinderfolgenden Ausgaben mit auf eine Optimalrunde im 911 GT2 RS der Baureihe 997!

Virtuose am Volant: Walter Röhrl nahm Sie 2012 in vier aufeinderfolgenden Ausgaben mit auf eine Optimalrunde im 911 GT2 RS der Baureihe 997!

66 Jahre, 78 Kilogramm Körpergewicht, 1,96 Meter: Walter Röhrl lebt für seinen Sport, die 20,8 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife könnte er locker zu Fuß umrunden

66 Jahre, 78 Kilogramm Körpergewicht, 1,96 Meter: Walter Röhrl lebt für seinen Sport, die 20,8 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife könnte er locker zu Fuß umrunden

Und wieder eine Regenfahrt: Testeinsatz mit einem fast serienmäßigen 911 GT3 RS am 27. März 2010, dem ersten Lauf zur Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring

Und wieder eine Regenfahrt: Testeinsatz mit einem fast serienmäßigen 911 GT3 RS am 27. März 2010, dem ersten Lauf zur Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring

PORSCHE SCENE Driving Academy: Eifel-Runde – 2012 nahm der Ex-Weltmeister Sie mit auf die Nürburgring-Nordschleife

Der 911 GT2 RS von Porsche – noch auf der Baureihe 997 basierend – versetzt Normalbegabte, die die Nürburgring-Nordschleife als aktive Fahrer zu meistern gedenken, in höchste Alarmbereitschaft. Timo Kluck, seit mehr als einem Jahrzehnt als Testpilot in den Diensten der Zuffenhausener Sportwagen-Schmiede stehend, umrundete den Eifelkurs mit dem Leichtbau-Elfer in einer Rekordzeit. 7:18 Minuten ließ der gebürtige Adenauer – und damit  irgendwie noch Einheimische – notieren. Wir wollen auf keinen Fall in die Diskussion darüber einsteigen, welche Zeitvorgaben ohne jeden motorsportlichen Hintergrund und ohne ein jahrelanges Coaching an der Seite eines Personal Trainers realistisch sind. Vielmehr haben wir einen Meister seines Fachs in der Grünen Hölle begleitet. Mit 620 PS im Rücken erprobte Walter Röhrl das neueste Bilstein-Clubsport-Fahrwerk, das wir Ihnen vorab, in PORSCHE SCENE 05/2012, näherbrachten. Sektor für Sektor sahen wir dem Maestro bei der abschließenden Abstimmungsfahrt am Volant des 911 GT2 RS über die Schultern. Daraus ergab sich – wie könnte es bei Walter Röhrl auch anders sein? – die Dokumentation einer Optimalrunde. Wir laden Sie herzlich ein: Kommen Sie mit uns auf die Nürburgring-Nordschleife, lassen Sie die Spezifika der einzelnen Streckenabschnitte in unserem neuesten Mehrteiler auf sich wirken! Zu Ihrer Einstimmung haben wir die wichtigsten Fakten aufbereitet.

Das Wichtigste zuallererst: Wir haben Walter Röhrl nicht mit dem 911 GT2 RS auf der Nürburgring-Nordschleife begleitet, um Ihnen etwas vorzumachen. Kein Text, und sei er noch so fundiert geschrieben, kann Erfahrungen im Hochgeschwindigkeits-Bereich ersetzen. Zum sicheren Beherrschen eines leistungsstarken Sportwagens – dieser Kategorie ist grundsätzlich jeder Porsche zuzuordnen – ist es unverzichtbar, dass Sie ihre persönlichen Grenzen sprichwörtlich er-fahren. Wichtig ist, dass Sie sich der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt mit Begeisterung, aber auch mit Respekt nähern! Unsere mehrteilige Dokumentation einer Optimalrunde mit dem Ex-Weltmeister kann Ihnen dabei helfen. Wo jedoch Ihr individuelles Limit liegt, sollten Sie am besten unter fachkundiger Anleitung – zum Beispiel bei einem Sportfahrertraining oder mit einem anerkannten Personal Coach – ausloten. Nur dann werden Sie Ihr Hobby nachhaltig und mit Spaß ausüben können.

In der ersten Folge vergegenwärtigen wir uns zunächst, worum es eigentlich geht: Die Nürburgring-Nordschleife – seit 1927 in der Eifel bestehende Naturrennstrecke, Rennfahrerhimmel und Grüne Hölle zugleich, ultimative Herausforderung für Mensch und Maschine, heiliger Gral und archaischer Kirmesplatz (beim inzwischen zum 40. Mal abgehaltenen 24-Stunden-Rennen). Es sind die Kontraste, die die 20,8 Kilometer lange Nordschleife ausmachen. Der wichtigste Gegensatz: das Wetter. Die Eifel liegt in einer Klimazone, in der es sehr wechselhaft zugeht. Es ist ein Landstrich der Extreme, in dem binnen weniger Stunden so ziemlich alles vorkommen kann – von Sonnenschein bis Sturm und Hagel.

Aufgrund der überdurchschnittlichen Streckenlänge sind auch auf einer einzigen Runde die wildesten Kapriolen möglich. In der Boxengasse noch auf trockenem, warmem Asphalt, und nach drei Minuten Fahrt in einem Regenloch stecken – all das sollte Neulinge nicht überraschen. Kein Computerspiel kann Sie auf einen plötzlich auftretenden Belagwechsel von trocken auf nass, von griffig auf rutschig, von alt auf neu, vorbereiten. Da Sie sich mit diesen Phänomenen auseinandersetzen sollten, sind Sie gut beraten, spezielle Angebote des Fahrsicherheitszentrums am Nürburgring oder auch des Pistenclubs wahrzunehmen. Ohne in die technischen Voraussetzungen, die Ihr privater Portsche erfüllen sollte, ernsthaft einzusteigen, folgende Bemerkung: Ein Sportfahrwerk ist geeignet, Ihnen Sicherheitsreserven für den Fall an die Hand zu geben, den Sie sich nicht wünschen. Wann immer Sie nämlich in einen kritischen Fahrzustand, sprich: ins Rutschen, geraten, kann Sie ein Sportfahrwerk präziser auf Kurs halten. Oft ist es ein Unterschied von fünf bis zehn Prozent an Querbeschleunigung, der über Abflug oder Rückkehr zu Start und Ziel entscheidet. Selbstverständlich gehören professioneller Einbau einschließlich Achsvermessung sowie Abstimmung auf den verwendeten Reifentyp dazu. Aus der Vielzahl von Anbietern sollten Sie immer Produkte und Dienstleister auswählen, die aktuelle Referenzen im Motorsport vorzuweisen haben. Tuning-Floskeln bringen Sie nicht weiter, sondern allenfalls ins Krankenhaus von Adenau.

Diese Feststellung soll auch eine Überleitung zur besonderen Topografie sein, die Sie vor allem physisch – körperlich – zu spüren bekommen. Der Höhenunterschied zwischen der Hohen Acht, dem höchsten Punkt der Nordschleife, und Breitscheid, dem "Keller des Nürburgrings", beträgt 300 Meter. An einer der Schlusselstellen, der Fuchsröhre mit ihrer anschließenden Gegensteigung hinauf zum Adenauer Forst, treten Kräfte wie auf einer Achterbahn auf. Fragen Sie sich eingangs, ob Sie den spezifischen Belastungen – auch mental – gewachsen sind! Im Zweifel sollten Sie sich hausärztlich durchchecken und beraten lassen. Hartes Bremsen und die Querbeschleunigungen in 73 Kurven – 33 mal geht es links, 40 mal rechts herum – stellen eine ungewohnte Belastung für den Organismus dar. In den vergangenen Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass sportliche Fitness zumindest hilfreich sein kann. Sicher wird es immer auch Spezialisten geben, die ohne ein gezieltes Training, mit Pommes Frites, Cola und schlimmstenfalls Bier im Bauch, den Anforderungen gerecht werden. Ohne moralistisch sein zu wollen – auf der Nürburgring-Nordschleife gilt folgender Grundsatz: Der Fahrer sollte nicht mit sich selbst zu tun haben, sondern seine volle Aufmerksamkeit dem Streckenverlauf, den äußeren Bedingungen und dem Spiel der Physik widmen. Dieses Neutralisieren des "Faktors Mensch" ist besonders gut im Kart erlernbar, und je geringer die PS-Leistung ist, desto mehr wird sich der Lenkrad-Akteur um eine entspannte Körperhaltung, besonders im Schulterbereich, bemühen. In einem kritischen Fahrzustand muss es möglich sein, unverzüglich zu reagieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Vor der ersten Runde ist es empfehlenswert, in einer "Trockenübung" eine geeignete Sitz- und Lenkposition auszutesten. Für das Wohlbefinden von Bedeutung ist ausreichender Abstand zur Windschutzscheibe, alles andere führt zu Stress. In klassischen Porsche-Fahrzeugen tritt dieses Problem häufiger auf als in zeitgemäßen Baureihen, deren Radstände schrittweise vergrößert worden sind. Zu den Effekten einer Spreizung beider Achsen gehört neben einem verbesserten Geradeauslauf auch ein verlängerter Innenraum, woraus sich erweiterte Verstellmöglichkeiten von Lenksäule und Sitz ergeben haben.

Ein Steuer-Mann, dem daran mehr gelegen sein muss als vielen anderen, ist der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. 78 Kilogramm Körpergewicht verteilt er auf 1,96 Meter, und auch sonst ist der lange Bayer eine Ausnahmeerscheinung. Und das in jeder Beziehung, wie nicht zuletzt sein Zugang zu Porsche – und zur Nürburgring-Nordschleife - unterstreicht. Nach der mit dem Fiat 131 Abarth gewonnenen Rallye-Weltmeisterschaft 1980 ließ sich der damals 34-jährige Profi von Mercedes-Benz verpflichten. Doch der Traum vom Wiedereinstieg der Untertürkheimer in den Spitzensport platzte, und als amtierender Titelträger einer FIA-Fahrerweltmeisterschaft stand Röhrl völlig unerwartet ohne Cockpit da. Porsche fing ihn auf – und stellte ihm ein Programm zusammen, das aus Einsätzen in vier verschiedenen Fahrzeugen von 924 Carrera GTS (Rallye) über 944 GTR Le Mans (24-Stunden-Rennen) bis hin zum 935 turbo (Langstrecken-Weltmeisterschaft) bestand. Ausgerechnet mit diesem urgewaltigen Apparat, den der Aachener Stahlbau-Unternehmer Dieter Schornstein nach einem Einsatzjahr von Joest Racing erworben hatte, musste sich Walter Röhrl 1981 auf der Nürburgring-Nortdschleife bewähren. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, gab Porsche dem guten Kunden Schornstein einen "besonderen" Motor mit auf den Weg – Schornstein/Röhrl/Grohs hatten zwei Wochen zuvor den Weltmeisterschaftslauf im englischen Silverstone gewonnen, vor heimischer Kulisse sollten die ungleichen Drei – der eine Amateur, die anderen beiden Profis aus verschiedenen Welten – glänzen können. Walter Röhrl, der die Nordschleife zwei Jahre mit dem Lancia Beta Montecarlo turbo (Gruppe 5) aus der Sicht eines Rennfahrers kennengelernt hatte, stieß nach den ersten Kilometern im 935/80 ein zutiefst erschüttertes "Jesus Christus!" aus. Doch er meisterte seine Aufgabe, und war mit dem siebten Gesamtrang nach Abbruch des Rennens bestens bedient. Der Todessturz des zu diesem Zeitpunkt 41-jährigen Herbert Müller auf Porsche 908/3 turbo war der überdeutliche Hinweis auf die Brisanz dieser Zeit. Walter Röhrl überlebte, und war elf Jahre später erneut Bestandteil eines werksseitig durchgeführten Porsche-Einsatzes, diesmal beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 1992. Zwar war das modifiziertes 911 Cup Coupé der Baureihe 964 weit weniger extrem als das Gruppe-5-Ungetüm aus den Achtzigern, dennoch ging es ähnlich turbulent zu.

Walter Röhrl teilte sich den Elfer mit Olaf Manthey und Hans-Joachim Stuck. Als in der Nacht dichter Nebel aufzog, fuhr der alte Rallye-Hase pro Runde eine halbe Minute schneller als der Rest des Feldes! Wie 1981 erlebte auch dieses Rennen einen Abbruch, und als sich das Wetter am Sonntag wieder besserte, spielten zwei nach dem DTM-Reglement vorbereitete Werks-BMW M3 ihren Leistungsvorteil aus. Mit zwei Runden Rückstand auf die Spitze belegte Röhrls Porsche den dritten Platz. Für die außerordentliche Fahrzeugbeherrschung aller drei Piloten – Olaf Manthey und "Strietzel" Stuck waren auf nassem Untergrund eine Klasse für sich – sprach der Unfall des anderen Elfers, der mit deformiertem Heck abgestellt werden musste. 1993, ein Jahr nach der Galavorstellung im Schlechtwetterloch der Eifel, erhielt Walter Röhrl einen Vertrag als Porsche-Testfahrer und -Repräsentant. In dieselbe Zeit fällt auch sein vorerst letzter Start bei einem 24-Stunden-Rennen Nürburgring, diesmal mit dem Typ RSR 3,8. In seinem neuen Lebensabschnitt kam ihm nicht nur die Aufgabe zu, neue Impulse für die Entwicklung künftiger Sportwagen-Modelle wie dem Carrera GT zu geben. Darüber hinaus sollte der anerkannte Fahrkönner den Vertretern der Presse vorführen, wozu ein Serien-Porsche wirklich mstande ist. Er war gewissermaßen der humane Teil des bemannten Vorführwagens. In dieser Eigenschaft reifte im Frühjahr 2010 ein kühner Plan. Mit einem fast serienmäßigen 911 GT3 RS der Baureihe 997 sollte der inzwischen 63-Jährige noch einmal am 24-Stunden-Rennen teilnehmen. Tatsächlich nahm er zur Vorbereitung am 27. März 2010 am ersten Lauf der Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring (VLN) teil. Der Rückkehrer belegte in seiner Klasse den dritten Platz, kletterte demzufolge auf das Podium, anschließend klagte er jedoch über starke Rückenschmerzen. Seit seiner 1987 beendeten Karriere im professionellen Rallyesport begleitete ihn dieses gesundheitliche Problem – möglicherweise eine Spätfolge harter Landungen nach großen Sprüngen. Er sagte nicht nur seine Teilnahme am zweiten VLN-Lauf ab, sondern auch am 24-Stunden-Rennen 2010. Patrick Simon vertrat ihn würdig. Mit der Nürburgring-Nordschleife verbinden den Wiesbadener nicht nur Einsätze in verschiedenen Bilstein-Land-Porsche, sondern auch ein Rekord. Mit einem modifizierten 911 (996) turbo von edo Competition umrundete er die Nürburgring-Nordschleife am 5. August 2005 in spektakulären 7:15,63 Minuten. Es war die schnellste Rundenzeit eines straßenzugelassenen Porsche.

Mit einem reinrassigen Serienfahrzeug, dem 911 (997) GT2 RS mit 620 PS, legte der Porsche-Entwicklungsfahrer Timo Kluck 7:18 Minuten vor. Am 12. Mai 2010 stellte Porsche dieses auf 500 Einheiten limitierte Hochleistungs-Coupé der Öffentlichkeit vor. Der fünf Jahre zuvor herausgearbeitete Performance-Vorteil des Nischenproduktes aus einer hochspezialisierten Tuning-Manufaktur war damit annähernd egalisiert. Letztlich zeigt dieses Beispiel, welches Entwicklungspotenzial auch in den technisch ausgefeiltesten Sportwagen unserer Zeit noch steckt. Auch Sie als Fahrer besitzen die Möglichkeit, sich zu entwickeln: Wir laden Sie in den kommenden Ausgaben herzlich ein, Walter Röhrl mit dem 911 GT2 RS auf der Nürburgring-Nordschleife zu begleiten – und wünschen Ihnen faszinierenden (Lese-)Spaß!

Erschienen in PORSCHE SCENE 07/2012.

7. März 2013: Walter Röhrl feiert 66. Geburtstag

Von: Carsten Krome

Kommentare aus der Community

Sie sind nicht angemeldet. Nur angemeldete User können Kommentare schreiben und beantworten.

Zur kostenlosen Registrierung geht´s im Bereich Community.

Bereits registriert? Dann melden Sie sich über das Formular in der linken Spalte an und schreiben Sie hier Ihren Kommentar!

motorfacts.deAUDI SCENEflash OPEL SCENEVW SCENEEASYRIDERSYOUNGTIMER SCENEHARDWOK