Top-Story im Februar: geheimnisvoller Panamera S von N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

2010er Porsche Panamera S N.Technology

Gran Turismo aus der italienischen Superstars-Serie sorgte bei der 43. Essen Motor Show für Aufsehen

(26.11.2010) Was steckt hinter dem chromglänzenden Panamera S, der bei der Essen Motor Show 2010 am Messestand des Fahrwerksunternehmens H&R für Aufsehen sorgte? Wir setzten uns mit den Projektverantwortlichen in Monte Carlo in Verbindung, stellten Fragen und erhielten detaillierte Antworten. Renneinsätze im deutschsprachigen Raum sind nicht auszuschließen. Denn über den Winter sollen frei verkäufliche Kundenfahrzeuge auf den Markt kommen. Offiziell, um zum Beispiel an der VLN-Langstreckenmeisterschaft und/oder dem 24-Stunden-Rennen Nürburgring teilzunehmen.

Monica Bregoli, Mauro Sipsz: "Selbstverständlich haben wir Porsche über unser Vorhaben, eine Rennversion des Panamera S zu bauen, informiert"


PORSCHE SCENE: "Monica Bregoli, Mauro Sipsz, mit Ihrem Unternehmen N-Technology verwirklichten Sie den weltweit ersten Panamera S für Runstrecken- und Langstreckenrennen. Im deutschsprachigen Raum sind Sie seit ihrer Bewerbung um einen Formel-1-Startplatz im Jahr 2009 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Stellen Sie sich und Ihre Aktivitäten vor!"

Monica Bregoli, Mauro Sipsz: "N.Technology ist eine Marke, die einer Gruppe international ausgerichteter Einzelunternehmen vorsteht, die sich innerhalb der Motorsportindustrie betätigen. Wir gründeten N.Technology und arbeiteten seitdem mit bedeutenden Automobilherstellern wie Alfa Romeo, Fiat, Ferrari, Honda und nicht zuletzt Porsche zusammen. Unser Unternehmen konstruierte und fertigte den Alfa Romeo 156 gemäß Super-2000-Reglement und setzte diesen bei den Rennen ein. Dasselbe galt für den Fiat Grande Punto Rally Super2000 sowie den Ferrari 575 GTC, um einige Beispiele zu nennen. Darüber hinaus verwirklichten wir den Formula-Master-Monoposto mit Honda-Motor und natürlich den Porsche Panamera S, den Sie aus der italienischen Superstars-Serie kennen. Wir sind seit nunmehr zwei Jahrzehnten aktiv, in unserem Jubiläumsjahr 2010 feierten wir den 150. Rennsieg, dem im weiteren Verlauf der Saison der 151. und 152. folgten. Wir erzielten mit unserem Panamera S vier Siege, drei Pole-Positions und drei schnellste Rennrunden in der italienischen Superstars-Serie."

P.S.: "N.Technology hieß ursprünglich einmal Nordauto, ein Hinweis auf den Teamstandort in Norditalien. Wo hat sich Ihr Unternehmen in der Zwischenzeit angesiedelt?"

M.B., M.S.: "Der Hauptsitz befindet sich in Monte Carlo, die Entwicklungsabteilung in Turin und das Renneinsatzteam in Cremona, einer Stadt in der Lombardei."

P.S.: "Welche Grundüberlegung steht hinter Ihrem Panamera S, den Sie 2010 ausschließlich in der italienischen Superstars-Serie eingesetzt haben?"

M.B., M.S.: "Bei N.Technology fiel der Beschluss, das jüngste Modell der Porsche-Palette als Rennfahrzeug zu konzipieren, aufzubauen und einzusetzen, vor dem Hintergrund einer tiefgründigen Analyse der aktuellen und zukünftigen Reglementssituation. Kommerzielle, technologische und auch sportliche Szenarien spielten eine Rolle, wir berücksichtigten die unterschiedlichsten Gesichtspunkte."

P.S.: "Welche Rolle spielte ihre Bewerbung um einen Startplatz in der Formel 1, die bekanntlich abgewiesen worden ist?"

M.B., M.S.: "Wir wählten die Superstars International Series aufgrund ihrer starken Herstellerpräsenz. Neun der wichtigsten Automobilmarken waren 2010 vertreten. Marketing-Orientierung und Fernseh-Übertragungen sprachen für die Superstars-Serie."

P.S.: "In den ersten Ankündigungen im Frühjahr 2010, die Ihren Panamera S zum Inhalt hatten, war auch von Einsatzgebieten abseits der Superstars-Serie die Rede. Woran haben Sie konkret gedacht, nennen Sie uns Beispiele!"

M.B., M.S.: "Spezifische Entwicklungsprogramme dienten der Vorgabe, an wichtigen Langstrecken-Wettbewerben in aller Welt teilnehmen zu können, unter anderem an der VLN-Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring."

P.S.: "Nach vier Siegen in der Premierensaison 2010 sollen Kundenfahrzeuge aufgelegt werden. Haben Sie bereits Bestellungen entgegengenommen und wenn ja, aus welchen Nationen?"

M.B., M.S.: "Wir stellen ein lebhaftes Interesse seitens italienischer Fahrer und Teams an unserem Panamera-Projekt fest. Aber auch aus dem Ausland erhalten wir in gleichem Maße Anfragen."

P.S.: "Lassen Sie uns über Ihre Ressourcen sprechen! Sie waren – noch unter Ihrer ursprünglichen Firmierung Nordauto – ein Einsatzteam für Alfa Romeo in der DTM. Ihr aktueller Personalbestand wird auf 160 Mitarbeiter geschätzt. Wieviele Spezialisten waren und sind mit dem Panamera S beschäftigt?"

M.B., M.S.: "Ingenieur Andrea Adamo ist unser bewährter technischer Direktor. Er ist der Kopf hinter sämtlichen Siegerfahrzeugen, die N.Technology hervorgebracht hat, sei es der Alfa Romeo 156 Super 2000, der Fiat Punto Rally Super 2000 oder der Ferrari 575 GTC. Auch im Bezug auf den Porsche Panamera S traf er alle technischen Entscheidungen, verantwortete die aerodynamische Entwicklung und leitete das Projektteam."

P.S.: "Abgesehen vom Panamera S – woran arbeitet N.Technology zurzeit? Ist der Vorstoß in die Formel 1 nach der Absage 2009 und der anschließenden Klage für immer vom Tisch?"

M.B., M.S.: "Vom Panamera S abgesehen, arbeitet N.Technology an einem neuen Projekt, das sich P4/5 Competizione nennt. Der ehemalige Filmdirektor und Autosammler James Glickenhaus beauftragte N.Technology mit der technischen Leitung und dem sportlichen Management der vier Fahrer Mika Salo, Nicola Larini, Fabrizio Giovanardi sowie Luca Cappellari beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife."

P.S.: "Das Porsche Zentrum Monaco ist als einer der Projektpartner auf der Frontschürze des Panamera S prominent vertreten. Wie steht es um Ihre Kontakte zu den Porsche-Verantwortlichen in Zuffenhausen und Leipzig?"

M.B., M.S.: "Der Panamera S geht auf eine Initiative von N.Technology zurück. Selbstverständlich haben wir Porsche über unser Vorhaben, eine Rennversion des Panamera S zu bauen, informiert."

P.S.: "Wie viele einsatzfertige Fahrzeuge existieren, wann genau begannen Sie mit dem Aufbau und wie gestaltete sich dieser?"

M.B., M.S.: "Anfang Februar 2010 erhielten wir zwei Straßenfahrzeuge. Das eine nutzen wir, um unsere Karosserie-Komponenten zu modellieren. Das zweite zerlegten wir vollständig, um die Überrollstruktur mit der Karosserie verschweißen zu können. Während dessen analysierten wir vor allem die Bestandteile der Radaufhängungen und modifizierten sie dort, wo es notwendig war."

P.S.: "Was hat Sie letztlich ermutigt, einen Viertürer in diesen Ausmaßen für Wettbewerbszwecke tauglich zu machen? Welche Gesichtspunkte beeinflussten Ihren Entscheidungsprozess, etwa die Vorlage durch die deutsche V8STAR-Serie?"

M.B., M.S.: "Die Aerodynamik des Serienfahrzeugs ist hervorragend. Das gilt übrigens auch für den Schadstoffausstoß, was uns sehr wichtig war. Beides sind Faktoren, die von einem großvolumigen Grand Tourisme nicht unbedingt erwartet werden, sie sprechen für den hohen Entwicklungsstand des jüngsten Porsche. Auf neuestem Stand sind deshalb auch die Radaufhängungen. Die Multilink-Hinterachse mit jeweils fünf Lenkern an jeder Seite erlaubt eine exakte Definition aller anfallenden Fahrwerksdaten. Darin liegt aus unserer Sicht die Grundvoraussetzung für Erfolg im professionellen Motorsport."

P.S.: "Mit H&R für die Fahrwerksfedern und Koni für die Stoßdämpfer sind bekannte Zulieferer an Bord. Handelt es sich beim sequenziell geschalteten Sechsgang-Renngetriebe um eine Eigenproduktion, eine Schalteinheit aus der Industrie oder ein Original-Porsche-Gehäuse mit speziell gefertigten Innereien?"

M.B., M.S.: "Wir verwenden eine spezifische Sadev-Schalteinheit mit sechs Vorwärtsgängen. Sie enthält geradverzahnte Gangräder und Dockringe sowie ein selbstsperrendes Hinterachsdifferenzial. Bei unseren Antriebswellen handelt es sich um Original-Wellen mit modifizierten Flanschen."

P.S.: "In Deutschland soll es – offiziell zumindest – keinem Tuner gelungen sein, in das sperrcodierte Motormanagement des Panamera S einzudringen, um die marktüblichen Modifikationen vollziehen zu können. Bisher behelfen sich die meisten Anbieter mit zusätzlichen Geräten, die nach dem Rucksackprinzip zugeschaltet werden. Wie haben Sie das Problem gelöst, benutzen Sie ein frei programmierbares Steuergerät und dazu einen speziell gefertigten Kabelbaum?"

M.B., M.S.: "Dem 4,8 Liter großen Achtzylinder-Motor, insbesondere der Benzin-Direkteinspritzung, schenkten wir während der Entwicklungsphase sehr viel Beachtung."

P.S.: "Porsche hat im Jahr 2008 den RS Spyder offiziell mit Benzin-Direkteinspritzung, kurz DFI, freigegeben. Nun handelt es sich genau wie im Cayenne oder Panamera um einen Achtzylinder-Motor. Im RS Spyder ist er freilich nur 3,4 Liter groß, im Panamera hingegen 4,8 Liter. Konnten Sie die bestehende DFI aus dem RS Spyder adaptieren?"

M.B., M.S.: "Tatsächlich ist es so, dass wir vor der Schaffung unseres Systems nichts Vergleichbares am freien Markt vorfanden. Lediglich für Diesel-Rennmotoren existierte ein solches System. Wir mussten unsere eigene Lösung schaffen, schließlich besitzen wir keinen Dieselmotor. Ja, unsere Direkteinspritzung ist eine Entwicklung von N.Technology, aus dem eigenen Haus."

P.S.: "Verweilen wir noch kurz beim Triebwerk und wenden uns dem Achzylinder-Cayenne-Rennmotor von Lozano Brothers Porting in New Braunfels, einer von deutschen Einwanderern errichteten Stadt im US-Bundesstaat Texas, zu. Wie hinlänglich bekannt sein dürfte, gewann dieser Motor das 24-Stunden-Rennen von Daytona 2010 in einem Riley-Chassis. Nun sind die Achtzylinder-Sauger im Cayenne und Panamera S miteinander verwandt. Bestehen daher zwischen Ihnen und Lozano Brothers Porting Kontakte, haben Sie sich austauschen und voneinander profitieren können?"

M.B., M.S.: "N.Technology hat die Tradition und das Know-how auf seiner Seite. Wir sind in der Lage, alle sportlichen und technischen Aspekte abzudecken. Wir können in den verschiedensten Spielklassen des Motorsports für unsere internationalen Kunden tätig werden."

P.S.: "Schlussfrage – worin liegt Ihre wirtschaftliche Zielsetzung? Vier Siege, drei Pole-Positions und drei schnellste Rennrunden sind ohne Zweifel die starke Bilanz Ihrer erster Saison mit dem Panamera S, doch das wäre ohne größere Investitionen kaum darstellbar gewesen. Was also haben Sie beabsichtigt, als Sie in Vorleistung gingen?"

M.B., M.S.: "N.Technology bietet den Panamera S zum Kauf an. Die Preisliste beginnt bei 193.250 Euro für ein Fahrzeug ohne Data-Logging-System und 227.500 Euro für eine Vollversion mit Datenaufzeichnung. Wir haben ein Kundensportauto gebaut und mit unseren eigenen Mitteln zu einem Siegerwagen reifen lassen."

P.S.: "Monica Bregoli, Mauro Sipsz – wir danken für die offenen Worte und sind gespannt, wie es mit dem Panamera S weitergehen wird!"

Von: Carsten Krome

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