39. ADAC Zurich 24h-Rennen: Exklusiv-Analyse mit Olaf Manthey

39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

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39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

39. ADAC-Zurich-24-Stunden-Rennen Nürburgring 2011: fünfter Manthey-Sieg

Nach dem fünften 24h-Sieg: "Es steht jetzt 18 zu 11!"

Die Eifel fest in Manthey-Hand: Wer hätte sich das vor 20 Jahren träumen lassen, als Olaf Manthey mit einem Cup-964er beim 24-Stunden-Rennen 1991 auf der Nürburgring-Nordschleife Platz zwei belegte? Der gebürtige Bonner, Ex-DTM-Star und -Zwirbelbart-Träger hat die Seiten gewechselt. Er zieht hinter der Boxenmauer die Fäden. Dass ihm inzwischen Rock-Legende Udo Lindenberg die Daumen drückt und Dr. Wolfgang Porsche zum Sieg gratuliert, ist das verdiente Resultat eines beharrlichen Aufstieges. Am 26. Juni 2011 fügte Olaf Manthey seiner Vita einen weiteren Meilenstein hinzu. Gemeinsam mit Porsche triumphierte er zum fünften Mal beim Langstrecken-Klassiker. Seine vier Fahrer: Marc Lieb, Timo Bernhard, Romain Dumas sowie Team-Heimkehrer Lucas Luhr. Letzterer vertrat in gewisser Weise den vor Jahresfrist schwer verunglückten Marcel Tiemann. Der Siegerwagen: der als "Dicker" bekannt gewordene RSR von Manthey-Racing – genießen Sie unsere Analyse des Rennens aller Rennen, erarbeitet im Exklusiv-Interview mit dem Meistermacher aus Meuspath!


PORSCHE SCENE: "Olaf Manthey, zunächst unseren herzlichen Glückwunsch zum historischen fünften Sieg beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring! Die schöpferische Pause hat nicht lange angehalten - zwei Wochen nach dem Triumph gleich ein erster Gastauftritt beim ADAC-GT-Masters, weitere zwei Wochen später eine Teilnahme an den 24 Stunden von Spa-Francorchamps, jeweils mit dem Haribo-GT3 R. Warum diese zwei Sondereinsätze, zumal wir doch eigentlich Sommerzeit haben?"


Olaf Manthey: "Wir wollten vorfühlen, wie wir sowohl im ADAC-GT-Masters als auch in internationalen Langstrecken-Wettbewerben zurechtkommen. Uns ging es dabei um eine Standortbestimmung, obwohl kurzfristig zwei Regelungen bekannt gegeben wurden, die uns überhaupt nicht schmeckten."


PORSCHE SCENE: "Einmal mehr ein flexibles Reglement - offenbar standen nicht nur die 24 Stunden Nürburgring 2011 unter diesem Vorzeichen! Worum ging es in Spa-Francorchamps?"


Olaf Manthey: "Obwohl wir aufgrund des Tankvolumens 90 Minuten am Stück draußen bleiben konnten, durften wir nur 65 Minuten pro Stint fahren. Im Prinzip ist damit die Effizienz unseres Vier-Liter-Motors bestraft worden. Man zwang uns in ein- und denselben Tankrythmus mit den großvolumigen Autos. Ausserdem musste jeder der vier Fahrer mindestens sechs Stunden im Auto sitzen. Das betraf die beiden Profis im Team genauso wie unsere zwei Kundenpiloten, die sich an diesem Einsatz beteiligten – und die ihn mitgetragen haben."


PORSCHE SCENE: "Wenn diese neue Regelung rechtzeitig bekannt gegeben worden wäre – wäre es dann möglich gewesen, den GT3 R mit vier gleichwertigen Vollprofis zu besetzen, so wie es beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring auch der Fall war?"


Olaf Manthey: "Grundsätzlich wäre das möglich gewesen, wir hätten in der PRO-Klasse statt in der PRO-AM-Kategorie nennen können. Allerdings hätte dieser Einsatz dann auf einer finanziell anderen Grundlage gestanden. Anders ausgedrückt: Wir hätten ein Budget gebraucht, das nicht auf einem Kundeneinsatz basiert hätte."


PORSCHE SCENE: "Wenn aufgrund der Lenkzeiten ein Sieg in Spa-Francorchamps nicht zur Debatte gestanden hat, warum dann trotzdem - vom Kundeninteresse einmal abgesehen - der gebotene Aufwand?"


Olaf Manthey: "Uns ging es darum, reale Daten zu sammeln und zu schauen, welche vernünftigen Möglichkeiten sich für uns außerhalb des Nürburgrings abzeichnen. Das betrifft nicht nur den GT3 R, der ein FIA-GT3-Fahrzeug ist, sondern in gleichem Maße den RSR, der ursprünglich für das FIA-GT2-Reglement konzipiert worden ist. Die Le Mans Series und die GT Open wären für den RSR relevant."


PORSCHE SCENE: "Der Siegerwagen der diesjährigen 24 Stunden Nürburgring war ebenfalls ein RSR. Kommen wir zu den Umständen, die zum fünften Triumph geführt haben – wenn möglich, in einem einleitenden Satz!"


Olaf Manthey; "Zwei Sätze! Erstens – die drei Monate vor den 24 Stunden haben mehr Nerven gekostet als der gesamte Betrieb in einem Jahr! Und zweitens – im ewigen Duell mit BMW steht es für Porsche jetzt 18 zu 11!"


PORSCHE SCENE: "Was war so nervenaufreibend an einer Geschichte, die triumphal ausgegangen ist?"


Olaf Manthey: "In der Saisonvorbereitung nahmen wir an fünf Rennen zur VLN-Langstrecken-Meisterschaft teil, und fünfmal galt eine andere Fassung des Reglements. Dass vor dem sechsten VLN-Lauf die sechste Einstufungsversion – eigentlich sogar die siebte – vorgelegen hat, überrascht bei uns niemanden mehr. Unter diesen Umständen, die ja das 24-Stunden-Rennen genauso betreffen, bezweifle ich sehr stark, dass ein gelb-grünes Auto von uns im kommenden Jahr noch einmal auf der Nürburgring-Nordschleife antreten wird. Der Hintergrund liegt eindeutig in der 'Balance of Performance'!"


PORSCHE SCENE: "Über das politische Tauziehen zwischen den einzelnen Herstellern ist viel diskutiert worden. Ist die Grundidee der 'Balance of Performance', nämlich die Angleichung verschiedenster Konzepte, nicht zu begrüßen?"


Olaf Manthey: "Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn unterschiedliche Autos und Fahrleistungen angeglichen werden. Wenn jedoch die Teamleistung nicht mehr zum Tragen kommt, dann habe ich ein Problem damit! Und das betrifft sowohl die Fahrer, als auch die Mannschaft. Es wird ausschließlich betrachtet, welche Rundenzeit ein Fahrzeug theoretisch auf der Nürburgring-Nordschleife erzielen kann. Dabei fließen dann Parameter wie die erreichbare Kurvengeschwindigkeit ein. Dem liegt jedoch eine rein technische Betrachtungsweise zugrunde. Es spielt in der Bewertung scheinbar keine Rolle, welche individuelle Leistung der Fahrer einbringen kann – oder sagen wir es präziser, vier absolut gleichwertige Fahrer wie bei uns!"


PORSCHE SCENE: "Die Herausforderer von BMW bis Audi und von Ferrari bis AMG-Mercedes waren fahrerisch exzellent besetzt!"


Olaf Manthey: "Das ist richtig. Aber in vielen Teams entsteht zwischen einzelnen Fahrern schnell mal ein individueller Unterschied von drei Sekunden. Wenn man eine einzelne Rundenzeit auf zehn Runden hochrechnet, ergibt das bereits eine halbe Minute! Wenn man eine homogene Mannschaft eingrenzt, schaut man im Endeffekt nicht hinter die Kulissen und fragt nicht, wie ein Resultat zustande gekommen ist. Es wird festgestellt, dass das Resultat zustande gekommen ist, mehr nicht. Im RSR, mit dem wir die 24 Stunden 2011 gewonnen haben, müssten wir wieder veränderte Auflagen erfüllen."


PORSCHE SCENE: "War der Ansatz, sowohl mit dem GT3 R als auch mit dem RSR - zwei unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten - ins 24-Stunden-Rennen zu gehen, das Resultat einer Vernebelungstaktik? Es könnte doch auch darum gegangen sein, auf Seiten derer, die Restriktionen verordnen, eine gewisse Verwirrung zu stiften!"


Olaf Manthey: "Die Idee mit den zwei Speerspitzen kam mir nach dem ersten VLN-Lauf im April 2011. Wir stellten fest, dass der GT3 R zunehmend eingeschnürt wurde. Die Performance-Daten glichen sich tendenziell an jene unseres RSR an, der ebenfalls eingeschnürt worden war. Es war nun zu überlegen, ob der RSR aufgrund seiner etwas höheren Kurvengeschwindigkeit nicht hervorgeholt werden musste, Uns war bewusst, dass wir uns mit dieser Entscheidung einen Nachteil in der Topspeed einhandeln würden, der ungefähr zehn Stundenkilometer ausmachen würde."


PORSCHE SCENE: "Handelte es sich bei dem Siegerwagen um einen der beiden RSR, die zwischen 2007 und 2009 eingesetzt worden sind?"


Olaf Manthey: "Nein! Wir haben im April damit begonnen, eine 2008er Karosse neu aufzubauen. Beim dritten VLN-Lauf lief das fertige Auto dann erstmals. Das alles basierte im Endeffekt allein auf der Vermutung, dass der RSR über die Distanz gesehen etwas schneller sein könnte."


PORSCHE SCENE: "Welche Motorleistungen wurden für die beiden unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte freigegeben?"


Olaf Manthey: "505 PS im RSR, 515 PS im GT3 R. Die Entscheidung, auf welchen Wagen wir letztlich setzten, habe ich nach den fünf VLN-Einsätzen gemeinsam mit allen vier Fahrern getroffen. Mir war wichtig, dass alle vier Fahrer auf beiden Autos fuhren, um so ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten. So fiel ein Beschluss, der vor dem 24-Stunden-Rennen feststand."


PORSCHE SCENE: "Welche Faktoren waren ausschlaggebend für den RSR?"


Olaf Manthey: "Wenn der RSR alleine für sich fahren kann und nicht viele überrundete Fahrzeuge um sich herum hat, ist er besser. Bei 200 Starten ist es nun einmal so, dass 30 bis 40 Autos mit der Zeit ausfallen. Dadurch ist dann etwas mehr Platz auf der Strecke. Und der RSR ist im Spritverbrauch einen Tick besser als der GT3 R. Aber es war eine insgesamt knappe Entscheidung."


PORSCHE SCENE: "Der GT3 R ist dennoch ins Rennen gestartet und nach zwei Stunden planmäßig zurückgezogen worden. Warum zu diesem Zeitpunkt?"


Olaf Manthey: "Wir wollten in der hektischen Anfangsphase ein zweites Auto in der Hinterhand haben – für den Fall, dass wir Opfer eine Kollision werden."


PORSCHE SCENE: "Kommen wir zum Stichwort Vignettenreifen - diesen nicht käuflichen Reifen werden Wunderdinge nachgesagt. Welche Rolle spielen sie tatsächlich?"


Olaf Manthey: "Wir im Team fahren beide Reifentypen, und Oliver Kainz zum Beispiel beweist mit Michelin-Kundenreifen oft genug, dass er konkurrenzfähig ist. Der Vorteil des Vignettenreifens liegt in seiner Konstanz, vor allem in den letzten drei oder vier Runden vor einem Wechsel lässt er kaum nach. Die Behauptung, Vignettenreifen seien pro Runde sieben oder acht Sekunden schneller, ist Blödsinn."


PORSCHE SCENE: "Abgesehen von der geheim gehaltenen Entscheidung, dem RSR den Vorzug zu geben - welche Rolle hat insbesondere nach der Anfangsphase die Strategie gespielt?"


Olaf Manthey: "Wir wollten uns aus allen Positionskämpfen heraushalten, um eben nicht hinter einem vorausfahrenden Fahrzeug zu hängen, das vielleicht zwei Sekunden langsamer fährt. Ich habe eingangs ausgeführt, zu welchen Zeitunterschieden sich marginale Differenzen summieren können. Daher haben wir den Takt unserer Boxenstopps verändert und sind zu einem anderen Zeitpunkt hereingekommen als unsere Konkurrenten. Das brachte uns den Vorteil, für uns alleine fahren zu können und uns aus allen Spielchen herauszuhalten. Das durften wir bloß nicht übertreiben, andernfalls hätten wir uns in der Schlussphase einen 'Splash and Dash' einhandeln können. Diesen Blitz-Tankstopp kurz vor Rennende wollten wir natürlich nicht."


PORSCHE SCENE: "Kann man eine solche Strategie im Vorfeld festlegen oder handelt es sich um ein Grobraster mit einem flexiblen Anteil, um vor Ort reagieren zu können?"


Olaf Manthey: "Die Variable besteht in der Möglichkeit, Doppel- oder Dreifachstints zu fahren. Wenn ein Fahrer nach dem ersten Stint im Auto bleibt, kennt er sich mit den Gegebenheiten aus, die sich minütlich verändern können. Er benötigt keine Installationsrunde wie ein Fahrer, der frisch auf das Auto kommt. Allerdings ist zu beachten, dass Doppel- oder Dreifachstints eine enorme Belastung darstellen."


PORSCHE SCENE: "Aber bei den 24 Stunden von Le Mans 2001 hat Audi vor allem deshalb das Rennen gewonnen, weil Tom Kristensen in der Nacht - von den anderen unbeobachtet - Dreifachstints fuhr und so den Grundstein zum Sieg legte!"


Olaf Manthey: "Das mag schon sein, aber auf der Nürburgring-Nordschleife sind die Belastungen für den Fahrer ungleich höher als in Le Mans. Meine Jungs sind bereits nach einem Stint fix und fertig gewesen. Sie haben sich ins Zeug gelegt wie noch nie! Es gab zwischen den Vieren auch nie einen Zeitunterschied. Als wir in Führung lagen, habe ich die Doppelstints wieder eingestellt. Das war eine taktische Variante."


PORSCHE SCENE: "Zu welchem Zeitpunkt des Rennens war der fünfte Sieg in trockenen Tüchern?"


Olaf Manthey: "Anderthalb Stunden vor Schluss ließ BMW merklich nach. Bis dahin haben sie den Druck aufrecht erhalten. Aber nun steht es 18 zu 11 zwischen Porsche und BMW!"


PORSCHE SCENE: "Wir haben vor Ort mitgefiebert und freuen uns mit allen, die zum Erfolg beigetragen haben – in diesem Sinne nochmals ganz herzliche Glückwünsche!"


Im zweiten Teil unseres Expertengesprächs: Wie geht es weiter bei Manthey-Racing? Was das Meisterteam aus der Eifel fern der Heimat anpacken könnte.

Von: Carsten Krome

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