Exkurs: alles schon einmal dagewesen... (Teil 1)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

1990er Porsche 911 (964) Carrera 2 "Polarexpress light" (Alexander Schmidt)

(Text erstellt am 8. September 2006) Bei der Betrachtung von Alexander Schmidts automobilem Vorleben fällt auf: Der Mittdreißiger kann eine Affinität zu Light-Produkten aus Stuttgart kaum verleugnen! Drei gewichtsoptimierte Elfer - darunter ein originaler 964 RS - schmückten bereits die Garage des Rheinländers. "Ob des Ausmaßes an gebundenem Kapital habe ich den echten RS zwar nur vorübergehend gefahren", eröffnet er, "das genügte aber, mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen!" Schon kurze Zeit nach dem Verkauf des Originals kribbelte es erneut in seinen Fingern, dieses Verlangen nach dem leichtfüßigen Fahrspaß! Um nicht gänzlich darauf verzichten zu müssen, griff Alexander auf eine einfache Alternative zurück. Er organisierte einen 911 (964) Carrera 2, um ihn nach dem Vorbild des RS abzuspecken.

Eigentlich verwundert es kaum, dass in Zeiten von Light-Erzeugnissen auch Autobauer auf die schlanke Linie ihrer Produkte achten. Dieser Trend gehört bei Sportwagen zur alten Schule. Porsche perfektionierte das Prinzip des vierrädrigen Leichtgewichts bereits in den siebziger Jahren durch den 911 Carrera RS 2,7. Dessen Intention ließ sich auf eine einfache Formel bringen: maximaler Fahrspaß bei minimalem Gewicht! Davon inspiriert, machte Alexander Schmidt seinem Carrera 2 aus dem Modelljahr 1990 Beine. Er hatte bereits mehrere solcher Elfer besessen, nie jedoch über einen längeren Zeitraum behalten. Es war sogar ein 964 Carrera RS mit von der Partie gewesen. Dann zeichneten sich Vaterfreuden ab - wie so häufig ein Ausschlusskriterium für knapper geschnittene Fortbewegungsmittel.

Großräumiger Ersatz in Form eines E-Klasse-Kombis nahm den Platz des Zuffenhauseners ein. Nun ist ein solcher Raumgleiter zwar kein schlechtes Auto, um die junge Familie standesgemäß durch die Lande zu kutschieren. Doch Ersatz für den Elfer konnte er beim besten Willen nicht sein. "Das kann ich nur bestätigen!", pflichtet Alexander schmunzelnd bei. "Mit einem Mal war es wieder da, dieses Brennen unter den Nägeln!" Resultat: der frischgebackene Familienvater machte sich kurz nach der Geburt von Sohn Nicolas zum wiederholten Male auf die Suche nach einem RS-tauglichen Carrera 2. Hintergrund: Er wollte die entsprechend preisgünstigere Basis dem begehrten Lightweight-Sportler näher bringen.

"Einen ausfindig zu machen, das war kein einfaches Unterfangen!", rekapituliert der Rheinländer. "Obwohl mir die Farbe des Autos gleichgültig war, ließen die Hauptkriterien wie der Verzicht auf Schiebedach und Airbag sowie eine schwarze Original-Ausstattung die Suche zum Marathon im Internet ausarten”. Nach Wochen der Recherche wurde Alexander Schmidt schließlich in München fündig. Ein in Polarsilber gehaltener 911 (964) Carrera 2 entsprach den Vorgaben weitgehend. Der bisherige Fahrzeugeigner schlug knapp 20.000 Euro vor. Schiebedach und Airbag fehlten, statt dessen war eine schwarze Original-Ausstattung an Bord - und kurzerhand ein Treffen organisiert. Obendrein ließen sich das Angenehme und das Nützliche miteinander verbinden. Ein verlängertes Wochenende kombinierte Familie Schmidt mit Besichtigungstermin sowie einem Ausflug hinter den Weißwurst-Äquator.

"Eine rundum gelungener Trip!", bewertet Alexander, "nicht zuletzt, weil der Ortstermin ein voller Erfolg war. Der Vorbesitzer hatte den Wagen noch nicht ganz aus der Garage gefahren, da stand für mich fest - der ist es!" Ein wenig Verhandlungsgeschick, gepaart mit Sympathie auf beiden Seiten sowie einem Defekt am Klimakompressor reduzierten den Preis auf 19.000 Euro. "Da ich mir im Vorfeld nicht sicher war, wie sich das Treffen entwickeln würde, nahm ich nur einen Teilbetrag mit", ergänzt der Mittdreißiger. "Der ältere Herr zeigte sich mit einer Anzahlung einverstanden. Eine Woche später konnte ich den Wagen voll bezahlen und abholen". Da Alexander den geplanten Eingriff bereits einmal hinter sich gebracht hatte, fiel die Zeitspanne mit drei Wochen durchaus akzeptabel aus. Kaum mit dem neuen Boliden zuhause angelangt, machte sich er sich ans Werk. Nachdem der Elfer fachmännisch eingerichtet worden war, ging es an Innenausstattung, Fahrwerk und Bremsen.

Im Fahrgastraum bezog kurz darauf handgefertigte Schlingenware in feinster RS-Manier die Position der einst verbauten Notsitze im Fond. "Den Teppich hat ein Kölner Sattler für mich gefertigt", klärt Alexander auf. "Der ist bei mindestens gleicher Qualität deutlich günstiger als das Originalteil!" Zu den Highlights des Interieurs gehören neben RS-Türverkleidungen und einem 350-Millimeter-Sparco-Volant zwei Recaro-Rennschalen sowie ein Heigo-Clubsportbügel in der Außenfarbe des Wagens. "Gipfel meiner Pedanterie dürften jedoch die zurückgerüsteten mechanischen Fensterheber sein", scherzt Schmidt, "aber wie heißt es so schön - entweder ganz oder gar nicht!" Dem Innenausbau folgte die Revision von Fahrwerk und Verzögerungskomponenten. Anstelle serienmäßiger Teile löst eine Synergie aus 993-Biturbo- und 964-RS-Errungenschaften nebst einem modifizierten KW-Gewindefahrwerk für Rennsport-Gefühle aus.

"Die Tieferlegung war bitter notwendig" rekapituliert Alexander. "Im Naturzustand wirkte der C2 auf mich eher wie ein Traktor!" Eine Absenkungsbilanz von 120, respektive 100 Millimetern an Vorder- sowie Hinterachse unterstreicht dieses Credo. Schöner Akzent: In Gelb pulverbeschichtete Bremssättel unter Mattschwarz gelackten Turbo-Felgen. "Polierte Felgen fährt heute ja fast jeder!", begründet er die Farbwahl. "Zudem bilden meine schwarzen Rundlinge einen guten Kontrast zu den sonnigen Bremssätteln". Zum Abschluss widmete sich der Rheinländer der
Außenhaut des Coupés. "Da der vordere Stoßfänger nach seiner Verwandlung in eine RS-Ausführung so oder so lackiert werden musste, bot es sich an, den Konterpart am Heck ebenfalls zu berücksichtigen", dokumentiert der Auto-Enthusiast. "Die meiste Arbeit in Sachen Sichtfeld bereitete mir der mit Echtkarbon beschichtete Kofferraumdeckel. Dafür sind annähernd zwei Wochen sorgfältigen Schleifens und Behandels mit Klarlack ins Land gegangen”. Das Ergebnis aber belohnt mit markanter Optik. Fast erinnert es an den ersten Porsche 911 (996) GT3, der 2004 die 400-km/h-Marke knackte.

Jan Fatthauers Weltrekordwagen erfreute sich derselben Farbkombination. Zufall oder nicht - über ein Doppellader-Triebwerk dürfte der Bodenständige kaum verfügen. Und richtig: Er vertraut bis dato auf die Originalbesetzung. "Der Motor reicht für den Wagen allemal aus", findet er, “meine Inspiration verdanke ich vielen Diskussionen mit Thomas Nater. Ohnehin wäre es eigentlich wieder an der Zeit für das nächste Projekt. Meistens fahre ich meine Autos nicht länger als ein halbes Jahr”. Keine Ausnahme, Alexander? “Ich will mal sehen, wie meine bessere Hälfte und mein Filius dazu stehen. Den beiden sei im übrigen an dieser Stelle für die Geduld gedankt, die sie während des Umbaus mit mir hatten. Ohne ihren häuslichen Rückhalt wäre unser RS-Zitat vermutlich nur halb so gut gelungen!"

 

Von: Text: Marc Timmer | Fotos: Dieter Debo

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