"Jubi Nummer 190": Story "Feuer und Flamme"

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

1993er 964 Carrera Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”

Young Classics // Sportwagen-Klassiker unter 30

In der Werks-Originalfarbe "Maritimblau 38B" hat Porsche kein Jubiläumsmodell "30 Jahre 911" ausgeliefert. Da und dort ist zwar etwas Gegenteiliges behauptet worden, doch für Hanns-Oliver Plöger (39) stand zweifelsfrei fest: Wenn überhaupt, müsste er seinen "Jubi" nachträglich im Wunschfarbton herrichten lassen. Und genau das veranlasste der Berliner auch. Ein Jubiläumsmodell in "Viola-metallic W8W8" mit 172.000 Kilometern Laufleistung diente als Grundlage für sein zweites Großprojekt. Indirekt fiel bereits 2006 während der Porsche-Europaparade in Göteborg (wir berichteten in Ausgabe 11/06) der Startschuss. Den Berliner Anwalt und seine Frau Andrea ließ ein 996 in "Maritimblau 38B" nicht wieder los. Auf Anhieb waren sie Feuer und Flamme.

"Eigentlich wollte ich mir das alles nicht noch einmal antun", sagt Hanns-Oliver Plöger und schaut dabei auf einen Werks-turbo-breiten 964er. Von den Bi-Xenon-Hauptscheinwerfern strahlt blau gefärbtes Licht aus. Dazu passend gewählt: die Wagen-Außenfarbe "Maritimblau 38B". Im Heckfenster zeigt sich die Seriennummer 190 – ein Jubiläumsmodell "30 Jahre 911" demnach, dass es ab Werk in dieser Lackierung nicht gegeben hat. Auch wenn da und dort etwas Gegenteiliges behauptet worden ist – ein "Jubi" war ausschließlich in "Viola-metallic", "Schwarz-metallic" oder "Polarsilber-metallic" zu haben – von Porsche bestätigt und damit basta! Folglich dürfte das, was Hanns-Oliver Plöger seit geraumer Zeit bei Porsche-Events im In- und Ausland vorführt, ursprünglich einmal anders ausgesehen haben. Der 39-Jährige bestätigt: "Ich habe den 'Jubi' bei Kilometerstand 172.000 in 'Viola-metallic' gekauft. Ein Farbtausch stand vor der Besichtigung fest. Eigentlich ging es mir nicht so sehr um die fortlaufende Seriennummer, sondern eine Karosserie im Werks-turbo-Look. Verbreitert ausgelieferte 964er waren schwieriger zu bekommen als Jubiläumsmodelle. Also musste ich in den sauren Apfel beißen, einen 'Jubi' kaufen und in 'Maritimblau 38B' neu lackieren lassen."

Ein missglückter Termin bei einem Gebrauchtwagenhändler in Norderstedt bei Hamburg begünstigte diese Entscheidung: "Dort interessierte mich ein 964 Coupé im Werks-turbo-Look mit lichtgrauem Interieur. Der Zustand der Ausstattung war desolat, ich fuhr unverrichteter Dinge zurück nach Berlin. Für mich stand von diesem Augenblick an fest, dass ich auf eins der beliebten Jubiläumsmodelle ausweichen und etwas mehr Aufwand betreiben müsste." Hintergrund: Plöger ließ schon einmal ein 964 Cabriolet nachträglich verbreitern. PORSCHE SCENE stellte das Resultat in der September-Ausgabe 2006 unter der Headline "Anwalts Liebling" vor. "Der Umbau eines Porsche ist immer anstrengend, wie ein Projektmanagement", berichtet der Jurist aus seiner bisherigen Erfahrung. "Daher sollte mein zweites Vorhaben deutlich weniger Energie binden. Eine gewisse Eigendynamik war dennoch unvermeidbar. Das ist ganz einfach so, wenn persönliche Vorstellungen verwirklicht werden." Und so übernahm der Berliner Rechtsgelehrte an Ostern 2006 das "Viola-metallic"-farbene Jubiläumsmodell eines Oberstudienrates. "Eine Preisvorstellung in Höhe von 27.500 Euro stand im Raum. Ich habe das Auto aus der Garage rollen sehen und auf der Stelle zugesagt. Der Zustand passte – keinerlei Winterbetrieb, einwandfreies Interieur in 'Rubicongrau'. Das Cartronic-Luftmassenmesser-Kit 'LM 220' von Thomas Kirchhöfer und ein Cup-Ersatzrohr waren ebenfalls im Paket enthalten. Was hätte ich da schon falsch machen können?"

Zurück an der Spree, führte ihn der weitere Weg zu Thomas Schumann. In dessen Lackier-Fachbetrieb vollzog sich der Wechsel von "Viola-metallic" zu "Maritimblau". Für Hanns-Oliver Plöger bot sich die Gelegenheit, die Ursprünge seines Farbwunsches noch einmal in Erinnerung zu rufen. "Bei der Porsche-Europaparade 2006 in Göteborg entdeckten meine Frau Andrea und ich einen 996 in diesem Blauton – wir waren damals Feuer und Flamme!" Zwei Schichten Klarlack versiegeln ihre neu gestaltete Karosserie. Als besonderen Gag beschaffte Plöger neben der Serien-Motorhaube einen zweiten Heckdeckel mit Hochglanz-verspiegeltem Flügelblatt. Die Oberflächenveredelung übernahm aber nicht Thomas Schumann, sondern eine darauf spezialisierte Firma im sächsischen Rodewisch. Bei offiziellen Veranstaltungen der "Jubi-IG" (wir berichteten zuletzt in der Juli-Ausgabe 2009) kommt die Zweithaube aber nicht zum Einsatz. Ihr fehlt das zurzeit 280 Euro teure Typenschild. Die Frontspoiler-Lippe von dp Motorsport sowie Bremsbelüftungs-Einsätze – der Authentizität wegen mit Nasen – tragen im Zusammenspiel mit Bi-Xenon-Scheinwerfern zur Aufwertung bei. Gleiches gilt natürlich auch für einen Speedline-Rädersatz, der früher einmal zu einem 964 turbo 3,6 gehörte. Die Dreiteiler sind hochglanzverdichtet und mit Edelstahl-Schrauben neu montiert worden. "Es war nicht einfach, die geeigneten Festigkeiten zu bekommen", beschreibt Hanns-Oliver Plöger. "Bei Pertsch und Partner in Erzhausen half man mir weiter."

Die Bereifung: Michelin "Pilot Sport PS2" in den Dimensionen 225/40 ZR18 vorn sowie 285/30 ZR18 hinten. Im Porsche-Zentrum Berlin-Potsdam beaufsichtigte Kundendienstleiter Thomas Wanzek die Rückrüstung von Allrad- auf Hinterradantrieb. Das Fünfgang-Schaltgetriebe eines Carrera RS war noch vorhanden. "Ich habe es zu D-Mark-Zeiten günstig erworben", erwähnt Plöger und präzisiert, "die Antriebstechnik an der Vorderachse ist ausgebaut worden." Das Bilstein-Gewindefahrwerk des Typs "B16 PSS9" bewertet er im unmittelbaren Vergleich mit seinem H&R-Produkt im 964 Cabriolet als etwas zu konservativ abgestimmt. "In unserem nächsten Porsche würden Andrea und ich wieder eine H&R-Lösung bevorzugen." Ähnlich klare Töne schlägt auch das doppelflutige Abgassystem mit 200-Zellen-Katalysatoren, Cup-Rohrbögen und 993-Endrohren an. Es ist auf das Cartronic-Luftmassenmesser-Kit "LM 220" abgestimmt worden. "Die Jubiläumsmodelle lieferte Porsche mit handverlesenen Motoren aus", weiß Hanns-Oliver Plöger. "Trotz ihrer 1.500 Kilogramm Gewicht erreichte die Serienausführung 255 km/h. Ich gehe von 300 PS aus, die das Cartronic-Kit und die Auspuffanlage zur Verfügung stellen." Durch den Verzicht auf den Vorderradantrieb konnten einige Kilogramm eingespart werden, von denen sich jedes einzelne nachteilig auf die Fahrdynamik ausgewirkt hätte. "Big Reds" – rot lackierte Bremssättel aus dem Elfer mit Aufladung – bringen die Fuhre jederzeit sicher zum Stillstand.

Ein Standmodell ist "Jubi" Nummer 190 nicht. Die Laufleistung von 172.000 Kilometern zum Zeitpunkt der Übernahme wuchs auf aktuell 195.000. Dieser Wert kann im Fahrzeug aber nicht abgelesen werden. Hanns-Oliver Plöger ließ das Zählwerk mit dem Abschluss des Projekts auf null setzen. Die Konsequenz: zarte 23.000 Kilometer auf dem Tachometer. Das Ehepaar aus der Hauptstadt ist bei allen wichtigen Porsche-Treffen vor Ort. Richtiges, entspanntes Sitzen nimmt langen Autobahn-Etappen den Schrecken. Dazu trug der bayerische Glasfaser-Produzent Hans Hahn mit RS-Profilschalen im XL-Format bei. Ihre weitere Bearbeitung gestaltete sich aufwändig. Die Rückenschalen sollten zu den verwendeten Lederfarben "Rubicongrau" sowie "Lichtgrau" passend lackiert werden. Porsche-Lackcode und Färbung der Tierhaut waren aber nicht deckungsgleich. Also musste Meister Schumann nochmal ran und DuPont-Lack anmischen – und zwar solange, bis der getrocknete Anstrich dem Leder entsprach. Sattler Martin Mittelstädt aus Berlin-Alt-Wittenau bezog die Sitzmittelbahnen in "Lichtgrau", die Sitzwangen erhielten authentische Bezüge im "Rubicongrau" der Original-Ausstattung. "Der Sattler hatte das Leder an Lager", freut sich Hanns-Oliver Plöger und bemerkt: "Er schaffte es, filigrane Sachen wie das Airbag-Lenkrad von 'Porsche Exklusive' auseinander zu nehmen und meinen Anregungen entsprechend zu modifizieren." Die metallene Instrumentenblende zum Beispiel ist traditionell ein fester Bestandteil des 911. Um beledert zu werden, musste sie natürlich im Wagen bleiben.

Selbst die lichtgrauen Fußmatten sind eine Erwähnung wert. Hergestellt hat sie die Augsburger "Autoteppiche Mawatex GmbH", kurz "hoica.de". Trotz des Detailreichtums sollte die Musikanlage von RS Audio nicht vergessen – oder überhört – werden. Zwar ist In-Car-Entertainment für manche Porsche-Enthusiasten ein rotes Tuch, die Geschmäcker sind jedoch verschieden und Hans-Oliver Plöger will jedenfalls nicht in die stille Anbetung des Boxermotors einstimmen: "Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Ralf Seider verdanke ich ein angenehmes Klangerlebnis. Obendrein greife ich auf iPod und High-Speed-Navigation zurück. Das entspricht doch dem technologischen Gesamtanspruch des 964ers. Bei all der Bordelektronik halte ich es für vermessen, sich ordnungsgemäß wie in einem F-Modell verhalten zu wollen!" Dass er sich für Fächerkrümmer erwärmen könnte, ist kein Widerspruch. Vielmehr ist die Frage noch immer nicht hinreichend geklärt, ob sie mit einer Heizung angeboten werden. In der Juli-Ausgabe 2009 war von einer Eigenbau-Anlage die Rede, die Thomas Schwarzmeier und Hans Patutschnick aus Einzelteilen zusammensuchten. Da die Plögers von Natur aus kommunikative Menschen sind, dürften sie bald auch zu dieser Bezugsquelle einen Zugang finden. Die Aussicht ist naheliegend: Sie werden Feuer und Flamme sein – wie so häufig, wenn es um Porsche geht. Ohne die Fähigkeit, sich zu begeistern, wäre nach dem 964 Cabriolet sicherlich Schluss gewesen. Stattdessen haben sie die dritte Baustelle eröffnet...

Von: Carsten Krome; Fotos: Carsten Krome

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