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1973er Porsche 911 Carrera 2,7

1973er Porsche 911 Carrera 2,7

1973er Porsche 911 Carrera 2,7

1973er Porsche 911 Carrera 2,7

1973er Porsche 911 Carrera 2,7

Siebziger Jahre Porsche sind Kult. Sie sind ungefiltert, ungestüm und werden immer teurer. Daher dümpeln viele von ihnen mittlerweile in Sammlungen als Wertanlage vor sich hin oder werden nur mit äußerst zartem Gasfuß über die Boulevards vor schicke In-Bars getragen. Nicht so bei diesem Carrera 2,7. Sein Besitzer aus dem Ruhrpott lässt ihm seinen standesgemäßen Auslauf zukommen und sieht ihn in erster Linie als sportliches “Fahr-Zeug“.

Nein, diese Gelegenheit kann er sich einfach nicht entgehen lassen. Zu verführerisch ist diese Kurve nach der langen Gerade, um nicht zu demonstrieren, wie sich die Semislicks des Carreras in den Asphalt verbeißen. Bremspunkt? Nö, Bremsen brauchen wir nicht. Manfred Leuner geht einfach rechtwinklig rum ums Eck.  Dann aufs Gas, um den Boxer im schönsten Brüll und Kreisch zu Wort kommen zu lassen. Leuner sieht man die Fahrfreude an – er lächelt selig.

Der Autor auf dem Beifahrersitz ist hingegen gedanklich noch beim nicht vorhandenen Bremspunkt. Aber kurz vor Einfahrt  auf das Gelände der Zeche Ewald in Herten haben wir eine entspannende Auslaufzone erreicht. Es sind wohl auch diese kleinen Momente, die Porschesüchtig machen. Leuner muss es wissen. Den hellgelben 73er Carrera 2,7 fährt er schon seit 1980, die Leidenschaft begann jedoch noch viel früher: “Mit 17 bin ich zum ersten Mal hinten in einem 911 mitgefahren und war total begeistert, so was musste ich auch haben.“

Manfred Leuner ging mit 14 als Lehrling zum Starkstromelektriker in den Bergbau. Nach dem Führerschein fuhr er zwar erst Simca, Opel aber schon mit Ende 18 den ersten Porsche: “Das war ein ’61er 356. Die konnte man damals im recht guten Zustand für 1.500 Mark kaufen.“ 1972 war das noch möglich. “In dem Auto hatte ich acht Motoren verheizt – in einem Jahr! Ohne Ahnung von der Materie habe ich die Wagen einfach zu stark gequält. Aber das hat ja im Prinzip nix gekostet.“ Denn Ersatzteile gab es sehr billig oder gar umsonst: “Ich bin sogar auf der Straße angesprochen worden, ob ich nicht noch alte Teile haben wolle. Ich fuhr damals hier fast als einziger so ein Auto – das war ein richtiges Schlaraffenland.“ Dennoch stieg er dann später auf den 911er um.

“Die Preisgestaltung für die älteren Modelle lag zwischen fünf und zehntausend Mark, die Autos waren damals recht verrostet und man musste schon recht lange suchen, um einen guten zu finden.“ Seinen 356-Altteile-Bestand brachte damals irgendwann zum Schrotthandel. Später hätte er sich dafür zwei nagelneue Turbos kaufen können, aber “Hätt’ ste, Wenn’ste, Könnt’ ste nutzt ja nix“, sagt der Ruhrpöttler pragmatisch.

Den heute hellgelben 73er Carrera kaufte er 1980 als rotlackiert aus der Hand seines Freundes Karl Zimmermann: “Der hat den noch gar nicht ganz gehabt, da hatte ich den ihm schon wieder abgeschwatzt.“ Doch das war nur einer von zwölf Vorbesitzern. “Die hielten den Wagen jeweils immer nur bis zur nächsten größeren Reparatur, Inspektion oder Reifenkauf und stießen ihn dann wieder ab.“ Obwohl so dennoch bis dahin immerhin 220.000 Kilometer zusammenkamen, kaufte Leuner den Carrera noch in einem recht guten Zustand. Er lackierte ihn weiß und genoss erstmal ohne größere Zwischenfälle das 911-Gefühl: “Herrlich, das infernalische Kreischen im Heck, das ist einfach mein Auto!“

Von: Peter Löschinger

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