"Jubi Nummer 50": Story "Ich tausch nicht mehr"

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

1993er Jubiläumsmodell “30 Jahre 911”; Foto: Carsten Krome

Young Classics // Sportwagen-Klassiker unter 30

"Was sind Jahrhundertwerke?", fragt die ehemalige Designstudentin Claudia Zeitz, wenn Sie wieder einmal auf Ihr Jubiläumsmodell "30 Jahre 911" angesprochen wird. Klar – es ist im Juli 1993 erstzugelassen worden und im direkten Vergleich mit einem 997 der zweiten Generation schon ein Klassiker. Doch genau darum geht es der Kölnerin. Sie sagt: "Mit neumodischem Kram kann ich nicht viel anfangen. Porsche war für mich immer schon Sinnbild für Ästhetik. Ich wollte das Urmodell, mich aber nur einmal mit der Fahrzeugwahl auseinandersetzen – nur einmal und that's it!" Die Geschichte nahm im Juli 2005 eine unerwartete Wendung.

Das NH-Hotel im niederländischen Nordseebad Zandvoort ist bekannt für seinen freien Blick auf den Strand, die unmittelbare Nähe zum Rundkurs in den Dünen, drakonische Geldbußen für Falschparker und einen überwachten Innenhof. Der ist dem Fuhrpark der Hausgäste vorbehalten. Nicht nur an Renntagen wie dem berühmten Formel-3-Masters ist das NH-Hotel eine der bevorzugten Adressen am Platz. Davon gingen auch Claudia und ihr Ehemann Ingo Zeitz im Juli 2005 aus. Ein Porsche-Event wollten sie in Zandvoort besuchen und das tunlichst nicht mit dem T-Modell des motorsportverrückten Gatten. Wegen seiner 46er Weber-Dreifachvergaser und 267 PS gönnt es sich auf 100 Kilometern 27 Liter Superbenzin – im Durchschnitt. Für Claudia Zeitz war das ein Unding: "Dieses ständige Tanken ging gar nicht. Stattdessen nahmen wir meinen 'Jubi', mit dem ich seit Oktober 2004 glücklich und hochzufrieden war. Ich besaß die Seriennummer 50, übernommen von einem sehr netten Ehepaar aus Weissach. Für mich war das der ideale Reisewagen. Wir weihten ihn auf einer Tour nach Reims ein und brachten aus Frankreich fünf Kisten Champagner mit. Es war kein Problem, sie unterzubringen."

Soweit die Vorgeschichte, der in Zandvoort ein unerfreuliches Kapitel mit Fußnote folgte. Trotz Kamera-Überwachung verschwand "Jubi Nummer 50" vom Parkplatz des NH-Hotels. "Ich fand mein Auto nicht und dachte zuerst, Ingo sei nur mal kurz zur Rennstrecke damit, um Freunde und Bekannte zu begrüßen. Das Portal ins Fahrerlager liegt gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite", rapportiert Claudia Zeitz. "Man kommt sich im ersten Moment blöd vor und glaubt nicht an einen Diebstahl. Aber es bestand kein Zweifel – der Porsche war weg!" Auf den Tag genau acht Monate blieb er verschwunden, in fremden Händen. Bei der Sicherstellung fanden sich Einbruchspuren auf der Beifahrerseite. Lose Kabel auf der Fahrerseite waren eindeutige Indizien, dass ohne den Zündschlüssel kurzgeschlossen worden war. Das Tauziehen mit Versicherung und Hotelbetreibern – es ging um die Herausgabe der korrekten Filmabschnitte aus den Überwachungskameras – wollen wir an dieser Stelle nicht aufarbeiten. Fakt ist: "Jubi Nummer 50" kehrte ohne Identitätsnachweise zurück. Nicht nur die begehrte Sonderserien-Plakette unter der Heckscheibe fehlte, sondern auch das Serviceheft und der papierne Aufkleber mit sämtlichen M-Codes an der Unterseite der Gepäckraumhaube.

Offenbar sollte ein einfacher Carrera in den Adelsstand eines Jubiläumsmodells erhoben werden – Vorsicht also bei entsprechenden Gebrauchtwagenofferten! Mit der Faszination des Schreckens schildert Claudia Zeitz die Sicherstellung im März 2006: "Man führte meinen Mann und mich in eine Halle, in der schon 20 andere gestohlene Autos parkten." Trotz dieser Umstände stand jedoch die einmal gefasste Entscheidung: "Das Auto bleibt!" Die erforderliche Instandsetzung wickelte das Porsche-Zentrum Köln ab. Parallel befasste sich die Porsche Deutschland GmbH mit einer Abfrage der hauseigenen Datenbank. Diese führte im August 2007 zu einem Erfolg: Die Abteilung After Sales bestätigte, das Jubiläumsmodell "30 Jahre 911" verfüge über "Matching Numbers". Das zwei Seiten umfassende Schreiben führte aus, dass die Fahrgestellnummer und die Aggregatenummern von Motor und Getriebe mit den Aufzeichnungen in der Auslieferungsbescheinigung übereinstimmten. Damit war eine wichtige Hürde genommen. Andere verschwundene Dokumente fehlen nach wie vor, so zum Beispiel das Service-Scheckheft. "Eigentlich", beschwichtigt Claudia Zeitz, "spielt das doch nur beim Verkauf eine Rolle – und verkaufen will ich nicht!"

Wir ernst sie es damit meint, belegt der Verbleib des zwischenzeitlich angeschafften Seelentrösters. Als der geliebte "Jubi Fifty" zurückkehrte, war ein schwarzer 964 RS America flugs auf einen historischen KMW-Rennsportwagen in Zahlung gegeben. Den steuerte aber nicht Claudia, sondern Ingo Zeitz. Beim Oldtimer-Grand-Prix 2006 auf dem Nürburgring zelebrierte das kantige Gefährt einen großen Auftritt, ehe es in den Besitz von Bernd Langewiesche überging. Der Kontakt zur Motorsportszene bescherte dem Jubiläumsmodell einige Verschönerungsmaßnahmen – siehe Tech Specs! Besonders erwähnenswert war für die Steuer-Frau am Raid-Airbag-Volant der Einsatz eines Kölner Sattlers. "Gregor Ballas hat auf Anhieb verstanden, worum es mir ging – das Pure, Unverfälschte. Dank des Original-Leders in 'Rubicongrau' sieht man kaum, dass Lenkrad, Sitze und Hutablage nicht der Serie entsprechen. Beim Blick durchs Heckfenster störten mich die auffälligen Lautsprecher. Lieber wollte ich sie an der Unterseite der Hutablage platziert wissen und alles in einer Linie haben. Gregor Ballas setzte meine Vorgaben perfekt um."

Dass sie ihren immerhin 1.500 Kilogramm schweren Allradler auch am Limit zu kontrollieren weiß, bewies Claudia Zeitz am 4. April 2009 auf dem Flugplatzkurs Dahlemer Binz in der Eifel. Beim Sportfahrertraining des Porsche Clubs Rheinland e.V. stimmte sie sich auf die Saison ein. Dabei trug sie einen offenen Jet-Helm, der im Geburtsjahr ihres "Jubis" – 1993 - groß in Mode war: einen "Bell Magnum". Mögliche Botschaft: Alles muss zusammenpassen, Kopfschutz und Sportgerät eben auch. So verhält sich das bei Jahrhundertwerken. Nicht einmal das Kennzeichen fand ohne Überlegung ans Auto. Die Ziffer 611 steht für den 6. November, den Geburtstag der einstigen Designstudentin. Was die Buchstaben "CZ" zu bedeuten haben, dürfte unschwer zu erraten sein.

Von: Carsten Krome; Fotos: Carsten Krome

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