Inside: Material-Vorteil

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

2008er Porsche 911 (997) GT3 RS; Foto: Carsten Krome

PORSCHE SCENE Insights: 24 kg Gewichtseinsparung durch Titan-Abgasanlage

Vorstellung: 2008er 911 (997) GT3 RS, im Porsche Sports Cup von Julian Dercks gefahren

Als zum Modelljahr 2008 der 997 GT2 erschien, wies dieser einige Besonderheiten auf. So bestand die Abgasanlage aus hitzefestem Titan. Der Produzent: ein slowenisches Unternehmen mit Referenzen aus der Motorrad-Weltmeisterschaft. Beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2008 siegte Olaf Manthey mit einem Titan-Auspuffsystem desselben Herstellers. Die Porsche seiner Rennkunden waren ebenfalls auf aktuellen Stand gebracht worden. Und im Porsche Sports Cup startete ein seriennaher 997 GT3 RS mit Straßenzulassung und Abgasanlage aus Titan. An diesem Versuchsträger konnten 24 Kilogramm Gewicht eingespart werden -  hinter der Hinterachse. Die Auswirkung: mehr Dynamik. Bei Saugmotoren ist dieser Gesichtspunkt entscheidender als ein vages Leistungsversprechen. Die PS-Zahlen verändern sich höchstens noch im einstelligen Bereich. Wir zeigen den Vorboten einer Technologie, die dem GT2 und 997 turbo zu weiteren Sprüngen verhelfen wird.

Nürburgring-Nordschleife, 25. Mai 2008: Olaf Manthey feiert den dritten Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf seiner Hausstrecke. Rein äußerlich ist es der Siegerwagen des Vorjahres, mit dem er den Hattrick sicherstellt. Doch über den Winter sind die für die aerodynamische Balance entscheidenden Flügel-Ausleger verboten worden. Lange Zeit rätselt die Szene, wie der Verlust an Hebelwirkung kompensiert werden kann. Denn nach wie vor gelten die 911er als heikel an der Hinterachse. Motor und Getriebe sind hinten platziert, dort konzentriert sich ein Großteil des Gewichts. Der Lösungsansatz liegt auf der Hand: Im Hinterbau Kilogramm abbauen, wo immer es geht! Doch das ist weder einfach noch preisgünstig umzusetzen. Manthey und weitere Kundenteams setzen den hoch entwickelten 997 GT3 RSR ein, der kaum Verbesserungspotenziale bietet. Ein guter Einfall ist gefordert, um mit einem Schlag eine zweistellige Kilozahl wegfallen zu lassen. Als Porsche 2007 den 997 GT2 herausbringt, wird Olaf Manthey hellhörig: Der neue Leistungsträger verfügt über ein Abgassystem aus hitzefestem Titan.

Eigentlich ist man der Meinung, dieser Werkstoff sei für den Einsatz in Hochleistungs-Automobilen nicht geeignet. Porsche-Ingenieure finden jedoch heraus, dass ein slowenisches Unternehmen besondere Kenntnisse mit Auspuffanlagen aus Titan besitzt. Igor Akrapovic und seine 460 Angestellten haben sich auf dem Motorrad-Sektor etabliert, rüsten viele Weltmeisterschafts-Teams aus. Strukturen, um Porsche zu beliefern, müssen nicht erst installiert werden. Der 997 GT2 ist das erste gemeinsame Projekt und gleichzeitig eine erstklassige Referenz. Olaf Manthey lässt bei Akrapovic nach eigenen Vorgaben eine Musteranlage für seinen 997 GT3 RSR produzieren. Die handwerkliche Ausarbeitung überrascht den Tüftler. Noch verblüffter reagiert Manthey, als man ihm den Grund für die präzise ausgeführten Schweißnähte nennt. In der Produktion arbeiten hauptsächlich Frauen. Und die werden nicht nur in Slowenien als akkurat und feinsinnig geschätzt. Als Manthey den Prototypen auf die Waage legt, sind alle Würfel gefallen. Für seine Top-Rennkunden wie HISAQ Competition gibt er weitere Auspuffsysteme in Auftrag. Bis zum 24-Stunden-Rennen 2008 ist die Nachrüstung vollzogen.

Natürlich ist es nicht allein die Titan-Abgasanlage, die Mantheys Konkurrenten wieder einmal in die Röhre blicken lässt. Doch sie ist Teil des Ganzen und von Stunde an Gesprächsstoff. Eine Frage drängt sich auf: Was bringt der gewichtsoptimierte Auspuff bei einem Porsche mit Straßenzulassung? Dies zu klären, tritt ein seriennaher 997 GT3 RS im Porsche Sports Cup an. Katalysator und Schalldämpfer sind zwingend vorgeschrieben, die Serien-Abgaskrümmer müssen erhalten bleiben. Trotz eines restriktiven Reglements gelingt es, 24 Kilogramm Gewicht einzusparen. Wären die Krümmer freigestellt und dürften sie ebenfalls aus Titan gefertigt werden, wären weitere drei Kilogramm weggefallen. Alle TÜV-Vorschriften werden ohne Einschränkung erfüllt, zumal sich die Motorleistung kaum verändert. Der PS-Zuwachs beträgt zwischen drei und maximal sieben PS, abhängig von der Motronic-Anpassung. Der Material-Vorteil liegt beim Saugmotor-Porsche in verbesserter Dynamik, nicht im Leistungszuwachs. Auch beim GT3 RS zählt jedes einzelne Kilogramm, auf das hinter der Hinterachse verzichtet werden kann.

Die technische Umsetzung übernimmt A-Workx in Wessling bei München. Nicolaj und Michael Wieth setzen parallel einen 997 GT3 Cup in Alpenpokal und Porsche Sports Cup ein, sind in der Clubsport-Szene bestens eingeführt. Bei den Veranstaltungen haben sie ihren Racetruck dabei, mit dem sie einst in der FIA-GT-Meisterschaft auftraten. Das Equipment ist komplett und erlaubt ein professionelles Abstimmen des GT3 RS. Dazu zählt die Arbeit mit dem dreifach justierfähigen KW-Gewindefahrwerk genauso wie die Definition der Spurweite. H&R stellt unterschiedlich stark dimensionierte Distanzscheiben zur Verfügung. Auf dem mobilen Achsmessstand wird immer wieder probiert und verändert. Bei den hochentwickelten Saugmotor-Porsche sind große Sprünge illusorisch. Verbesserungen ergeben sich nur noch aus der Summe vieler kleiner Schritte. Leichtgewichtige Räder gehören dazu. Sie reduzieren die rotierenden Massen, was Bremsscheiben aus Verbundmaterial ebenfalls könnten. Bei aktiven Sportfahrern sind sie unbeliebt - zu empfindlich bei Ausrutschern.

Gewichtsoptimierte Räder können Bremsscheiben aus Verbundmaterial kompensieren. Am Markt tut sich was, nachdem Manthey mit einem exklusiven Magnesium-Schmiederad in die Vorlage getreten ist. Hochwertige Werkstoffe haben nur einen Nachteil. Titan zum Beispiel übertrifft den Preis von Edelstahl um das Fünffache. Abgesehen von einer Benzin-Direkteinspritzung oder Hubraumerweiterung auf 3,9 Liter sind kaum noch Alternativen gegeben, einen GT3 RS weiterzubringen. Der Versuchsträger mit Titan-Auspuff bleibt vorerst ein Einzelstück. Im Porsche Sports Cup darf der 21-jährige deutsche Kartmeister Julian Derckx an seinem Volant drehen. Dass er sich im Feld der anderen GT3 RS auffallend weit vorn aufhält und auch Porsche-Routiniers hinter sich lässt, spricht für den eingeschlagenen Weg. Im Alltag mag der Material-Vorteil auf emotionaler Ebene liegen - wer würde die Leichtfüßigkeit auf Alpenpässen in Sekunden erfassen? Das ist eine Disziplin, die den Spaßfaktor eines Sportwagens beeinflusst. Und der ist Porsche-Besitzern einiges wert, selbst wenn sie sich nicht als Clubsportler betätigen.

Weitere Sprünge - die Rede ist von 25 PS Zugewinn  - wird Titan-Abgastechnologie bei 997 turbo und GT2 ermöglichen. Wie schon bei der Rennversion GT3 RSR ist Olaf Manthey Pionier auf diesem Gebiet. Akrapovic fertigt für den straßenzugelassenen 997 GT2 des Ring-Meisters eine Titan-Auspuffanlage mit geheimen Rohrdurchmessern. Dabei kommen dem "M600" Erkenntnisse zugute, die bei den bisherigen Projekten gewonnen worden sind. Die Abgasführung ist Bestandteil eines Systems, zu dem auch Eingriffe an den VTG-Turboladern, der Ladeluftkühlung und dem elektronischen Motormanagement gehören. Der Grat, einen Porsche auf individuelle Bedürfnisse abzustimmen, ist schmaler denn je. Vorbei sind die Zeiten, als leistungssteigernde Maßnahmen ohne Engagement im Motorsport darstellbar waren. Der Material-Vorteil, der sich aus dem Werkstoff Titan ergibt, ist an Rennstrecken erkannt und aufgegriffen worden. Wo es um Zehntelsekunden geht, zählen Fakten und keine Leistungsversprechen.

Olaf Manthey fasste kürzlich erst zusammen: "Die PS, die wir beim GT3 allein durch eine Abgasanlage erzielen, sind nicht unser Verkaufsargument. Wir verstehen dies als Zugabe. Entscheidend ist die Gewichtsoptimierung ganz gezielt in einem Bereich des Fahrzeugs, der die Dynamik beeinflusst. Deshalb leichte Räder, deshalb Heckfenster aus leichtem Polycarbonat, deshalb Flügelblätter aus leichtem Karbon." Fazit: Das Rennen um Marktanteile wird in Zukunft mehr denn je auf der Waage entschieden. Vor genau zwei Jahren fragten wir im Editorial der Januar-Ausgabe 2007: "Gewicht - eine vergessene Komponente?"

Weitere Fotos finden Sie in unserer Galerie!

Von: Carsten Krome

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