Seit 1927: Faszination Nürburgring-Nordschleife

Serien-Sieger: 1992 beflügelte dieser 964 RS Clubsport M003 Karl-Heinz Wlazik/Frank Katthöfer; Foto: Carsten Krome

Serien-Sieger: 1992 beflügelte dieser 964 RS Clubsport M003 Karl-Heinz Wlazik/Frank Katthöfer; Foto: Carsten Krome

Fall für zwei: 1992 fuhren Claus-Theo Gärtner/Elmar Hölscher diesen 90er Cup-Carrera in der N/GT; Foto: Carsten Krome

Fall für zwei: 1992 fuhren Claus-Theo Gärtner/Elmar Hölscher diesen 90er Cup-Carrera in der N/GT; Foto: Carsten Krome

24-Stunden-Rennen Nürburgring 1991: Manthey/Grohs/von Gartzen im Cup-Carrera auf Rang zwei; Foto: Carsten Krome

24-Stunden-Rennen Nürburgring 1991: Manthey/Grohs/von Gartzen im Cup-Carrera auf Rang zwei; Foto: Carsten Krome

Spitzengruppe 1991: Georg Memminger und Jürgen Alzen verfolgen Uwe Alzen im 944er (nicht im Bild); Foto: Carsten Krome

Spitzengruppe 1991: Georg Memminger und Jürgen Alzen verfolgen Uwe Alzen im 944er (nicht im Bild); Foto: Carsten Krome

Deutsche Tourenwagen-Trophäe 1990: Edgar Doeren im umgebauten Serien-Carrera 2; Foto: Carsten Krome

Deutsche Tourenwagen-Trophäe 1990: Edgar Doeren im umgebauten Serien-Carrera 2; Foto: Carsten Krome

PORSCHE SCENE Insights

Inside-Story: Wie uns die Alten sungen

Am 18. Juni 1927 fand auf dem Nürburgring das erste Motorradrennen statt. Tags darauf fuhren zum ersten Mal Automobile um die Wette. Rudolf Caracciola siegte auf Mercedes. Die berühmteste Rennstrecke der Welt war eröffnet. Und obwohl 1984 ein moderner Grand-Prix-Kurs in Betrieb genommen wurde, überlebte die ürsprüngliche Nordschleife. Sie ist 20,8 Kilometer lang und führt durch waldreiche Gegend. Das brachte ihr den Beinamen "Grüne Hölle" ein. Viele der 33 Links- und 40 Rechtskurven sind vorher nicht einsehbar. Sie müssen blind angesteuert werden. Selbst unerschrockene Fahrer atmen jedesmal auf, wenn sie eine Runde hinter sich gebracht haben. Oft genug krachte es in der 80-jährigen Geschichte des Nürburgrings. Der spektakulärste Unfall ereignete sich am 1. August 1976, als Formel-1-Weltmeister Niki Lauda am Streckenabschnitt “Bergwerk” von der Piste abkam. Sein Ferrari ging sofort in Flammen auf. Fahrerkollegen retteten den Österreicher. Er kam mit dem Leben davon. Wochen später saß er beim Großen Preis von Japan wieder im Cockpit. Am 23. Mai 1981 hatte der Schweizer Herbert Müller weniger Glück. Wie Niki Lauda ein Alpenländer, erlitt "Stumpen-Herbie" beim 1000-Kilometer-Rennen einen Feuerunfall. Der Unglücksort: “Kesselchen”, vom “Bergwerk” nur durch eine Steigung und zwei Linksknicke getrennt. Dem brennenden Porsche 908/3 entkam der 41-Jährige nicht.

Diesmal machte das Inferno keine Schlagzeilen. Herbert Müller war zwar ein ausgezeichneter Sportwagenpilot. Das wussten vor allem Fachleute. Niki Lauda dagegen war jedem Schulkind ein Begriff. Sein Schicksal bewegte die Massen. An Herbert Müller erinnerte ein Gedenkstein oberhalb der Unfallstelle. Am 29. Mai 1983 machte die Nordschleife ein letztes Mal von sich reden, beim letzten Rennen um eine Weltmeisterschaft. Wieder war es das 1000-Kilometer-Rennen, wieder verunglückte ein Porsche-Pilot. Stefan Bellof hob mit dem Werks-956 am “Schwalbenschwanz” ab und wurde zum Spielball der Physik. Bellof entstieg dem Wrack unversehrt. Auf die Frage, ob der sich überschlagen habe, wusste der Giessener keine Antwort. Statt dessen schrieb der Teufelskerl munter Autogramme. Dem Rennfahrertod war er noch einmal entronnen. Zwei Jahre später endete sein junges Leben auf einer anderen Auto-Achterbahn. Spa-Francorchamps war dem Nürburgring ähnlich: lang, schnell, wetterwendisch, gefährlich. Größter Unterschied: der belgische Kurs konnte modernisiert werden, der in der Eifel nicht. 1984 eröffnete parallel zur Nordschleife der neue Nürburgring. Das Schicksal der Ur-Rennstrecke schien besiegelt. Dann aber fand im August 1984 ein 24-Stunden-Rennen für Tourenwagen statt. Das Star-Aufgebot reichte von Stuck bis Manthey, von Grohs bis Niedzwiedz. Die Stimmung war wie in alten Zeiten. Allen war klar: Die Nordschleife ist nicht zu ersetzen, sie muss weiterleben!

Heute ist das 24-Stunden-Rennen auf dem Traditionskurs Deutschlands größtes Autorennen. Die Autos sind modern geworden, die Stars von einst inzwischen abgetreten. Die Sieger heißen heute Luhr, Lieb, Bernhard oder Rockenfeller. 1984 waren sie bestenfalls Kinder. Die Begeisterung für die alte Schleife hat sich trotz Generationswechseln gehalten. Es ist eine einzigartige Ursprünglichkeit, die die Menschen in ihren Bann zieht. 1988 erkannten das auch die Offiziellen und holten die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) zurück. 1994 endete das Zwischenhoch, als die Renner wieder einmal zu schnell wurden. Die Youngtimer Trophy kombiniert die Publikumslieblinge zweier Epochen. DTM-Helden mischen genauso mit wie Grand Tourisme der siebziger Jahre. Da kann es passieren, dass es ein Carrera RSR mit einem BMW M3 aufnimmt. Das Konzept ist erfolgreich. Mehr als 200 Teams fahren mit. Zwar gastiert die Youngtimer Trophy auch auf anderen Rennstrecken. Wenn sie aber die Nordschleife ansteuert, ist “Rackes”, wie die Alten sagen. Das Highlight: “Egons 500” im Vorprogramm des 24-Stunden-Rennens. Die 500-Kilometer-Hatz ist Egon Meurer gewidmet. 1993 erfand der Rennsekretär des ADAC Nordrhein die Youngtimer-Trophy. Den endgültigen Durchbruch seiner Idee erlebte Meurer nicht mehr mit. Er kam bei einer Rallye ums Leben.

Hätte Egon Meurer sich träumen lassen, dass Klaus Ludwig “sein” Rennen zweimal gewinnen würde? 2005 und 2006 siegte Ludwig im grünen Derkum-Carrera RSR. Fest an seiner Seite: Uwe Alzen, 2005 zusätzlich auch Peter Dumbreck. 1979 triumphierte der Roisdorfer im Kremer-935 K3 in zehn von elf Läufen um die Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft. Nur auf der Nordschleife verpasste er den sicheren Sieg, als sich ein überrundeter Fahrer vor ihm drehte. 2007 überließ Klaus Ludwig das Feld seinem ärgsten Verfolger. Daniel Schrey (damals 41-jährig) triumphierte im Alleingang. Ludwig zollte ihm Respekt: “500 Rennkilometer auf der Nürburgring-Nordschleife ohne Ablösung – wie machst Du das?” Die Erklärung: Leidenschaft. Sie lässt den Schmerz vergessen, wenn das Lenkrad auch nach drei Stunden genauso fest angepackt werden will wie beim Start.

Von: Carsten Krome

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