Katz und "Klappi": Inside-Story eines 968 CS M 030 (1993-95)

Fotos: Carsten Krome, Manfred Michelmichel

PORSCHE SCENE Insights

Siegerwagen der Porsche Club Historic Challenge 2010

Katz und "Klappi": zwei erfolgreiche Exoten im Feld der Porsche Club Historic Challenge

Kurz vor Beginn der Saison 2009 stellte Sportveranstalter Siggi Hafner die Porsche Classic Car (PCC) Trophy ein. Heinz Weber vom Württembergischen Porsche Club nahm sich der verbliebenen Teilnehmer an und hob die Porsche Club Historic Challenge aus der Taufe. Aus der beherzten Rettungsaktion entwickelte sich ein fester Bestandteil der Porsche-Clubszene mit spannenden Läufen und vollen Starterfeldern. 2010 stahl das Fahrerteam eines 968 CS allen die Schau. Eberhard Katz und Sven Klapputh zählten bereits in der Porsche Classic Car Trophy zum harten Kern der Aktiven. Nach vielen gemeinsamen Jahren kamen die beiden Berliner mit ihrem Transaxle-Porsche zu Titelehren.

Samstag, 9. Juli 2005, im Fahrerlager des Salzburgrings. Es ist später Nachmittag geworden, ein Wetterwechsel kündigt sich an. Zunehmend schwärzere Wolken ziehen auf und verdrängen die Sommersonne. Autorennen in einer Urlaubsregion wie dem Salzburger Land – eigentlich eine angenehme Sache. Wäre da nicht der für diese Gegend typische "Schnürlregen", der auf dem Salzburgring, einem Hochgeschwindigkeitskurs, an den Nerven nagt. Wenn er erst einmal fällt, senkt sich vor den Windschutzscheiben der Fahrer ein kaum zu durchdringender Vorhang. Dann sind Konzentration und Routine gefordert. Sven Klapputh und Eberhard Katz vertrauen mit Recht auf ihre Fähigkeiten. Viel zu lange sind sie schon aktiv mit von der Partie, als dass sie eine Schlechtwettermeldung aus der Ruhe bringen könnte. Unter freiem Himmel bereiten sie ihren Porsche 968 CS auf den Rennsonntag vor. Mit einer Akku-Bohrmaschine arbeitet Sven Klapputh jedes einzelne Loch der Bremsscheiben nach. "Weeste", berlinert der zu diesem Zeitpunkt 38-jährige Meister des Kraftfahrzeug-Handwerks, "det musste machen, Bohrung für Bohrung, sonst jeht Dir vom heißen Bremsstaub die Scheibe zu. Det backt zusammen, dann haste irjendwann keene jelochte Scheibe mehr, sondern 'ne massive. Det wird schneller heiß und jeht schneller kaputt, wa?"

Eberhard Katz nickt zur Bestätigung. Als altgedienter Porsche-Fahrensmann weiß er, dass eine Betriebsstunde auf dem 4,255 Kilometer langen Salzburgring vor allem das Bremssystem auf eine Belastungsprobe stellt. Am Ende der langen Geraden staucht eine Schikane die Autos zusammen, dann setzt sich der Weg fort zur Nocksteinkehre. Materialschwächen werden besonders an dieser Schlüsselstelle aufgedeckt. Sven Klapputh verweist auf den M030-Bremsenstandard im "Indisch"-roten Renner. Die Scheiben sind etwas dicker als beim Serienmodell ausgeführt, um den Anforderungen des Clubsports gewachsen zu sein. Doch das ist graue Theorie, wenn der allgegenwärtige Bremsstaub nicht mit Pressluft ausgeblasen oder ausgebohrt wird. Als schließlich der Abend dämmert, entspannen sich Katz und Klapputh in ihren mitgebrachten Regiestühlen. Zufrieden sinnieren sie über das 24-Stunden-Rennen Nürburgring, das sie gerne mit dem 968 bestreiten würden. Zu zweit könnte ihnen das konditionell vielleicht gelingen, finanziell eher nicht. Der Kostenaufwand wäre zu groß, ohne zwei zusätzliche Fahrer und deren Mitgift ginge es nicht. Eine eingeschworene Gemeinschaft entsteht ohne Mietverhältnis, das wissen die beiden Hauptstädter nur zu gut. Sie kennen und schätzen sich seit zehn Jahren, haben sich aufeinander eingestellt. Die Rollen sind klar verteilt: Katz, zwölf Jahre älter als Klapputh und im beruflichen Leben für ein großes Versicherungsbüro in der Pflicht, kümmert sich um die Finanzierung. "Klappi", 2002 von Berlin-Mariendorf ins "Ländle" – der Heimat der Schwaben – umgesiedelt, befasst sich mit der technischen Vorbereitung.

Dass die Fahrerlageridylle am Vorabend nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen ist, zeigt sich nächsten Morgen. Es regnet wie angekündigt, die Alm über der Fahrerlagerkurve ist tropfnass. Eigentlich ein beliebter Zuschauerpunkt, verirrt sich nur eine Handvoll Unentwegter dorthin. Planmäßig absolviert die Porsche Classic Car Trophy ihren einstündigen Wertungslauf. Als Sieger und Platzierte ausgefahren sind, bleibt ein roter 968 mit fürchterlich deformiertem Vorderwagen zurück. "Mach' mal besser en Beweisfoto jetze", fordert Sven Klapputh auf, "det glaubt am Ende keener!" Während Eberhard Katz noch über aufschwimmende Straßen-Sportreifen mit etwas zu geringer Profilhöhe, fehlende Erfahrungswerte mit dem Nachschneiden, das Fehlen einer Herstellerempfehlung und den Einschlag in die Boxenmauer sinniert, denkt sein Teamkollege längst über die Instandsetzung nach. "Det siehste später nicht", orakelt er, "daher auch det mit dem Beweisfoto." Dass der Wagen zuhause auf die Richtbank kommt, steht außer Frage. Daraus ergibt sich ein anderes Problem: Katz und "Klappi" kämpfen um die Meisterschaft, nur zwei Wochen später steht in Oschersleben die nächste Punktrunde an. Bis dahin wird der Unfallschaden nie und nimmer zu beheben sein, in diesem Punkt sind sich beide einig. Auf Empfehlung des Chronisten findet Sven Klapputh im Kumho-VIP-968 Unterschlupf, der zu diesem Zeitpunkt in der Porsche Classic Car Trophy eingesetzt wird. In der Börde vor den Toren Magdeburgs erreichen er und Erik Schwarz einen zwöften Gesamtrang. Bis zum Saisonfinale am 15. Oktober 2005 auf dem Hockenheimring erstrahlt der 968er in neuem Glanz. Abermals ist Gesamtrang zwölf das Resultat – und der 2004 eingefahrene Dreiliter-Klassensieg verteidigt!

2006 greifen die Frontmotor-Spezialisten nach den Sternen, ihre Zusammenarbeit erreicht eine neue Dimension. Sie bauen einen 944 turbo für die neu installierte Cup-Kategorie auf. Ein Wettrüsten zwingt die gut gemeinte Cup-Renaissance binnen kürzester Zeit in die Knie. Die Konsequenz: Ende 2007 nehmen Eberhard Katz und Sven Klapputh ihren Boliden bis auf weiteres aus dem Rennen. Statt dessen reaktivieren sie den 968, der sich an das VLN-Serienwagen-Reglement anlehnt und in der Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring startberechtigt wäre. Mehr zur Vorbereitung beteiligen sie sich an der Rundstrecken-Challenge (RCN) und kommen so auch auf der Nordschleife des Eifelkurses zu Klassensiegen. Speziell Sven Klapputh pflegt mit der Grünen Hölle ein unbelastetes Verhältnis. Zu Beginn der neunziger Jahre ist er mit einem Citroen AX Sport aktiv, das geradlinige Fahren mit überschaubarer Motorleistung lernt er in der "Fliegenden Hutschachtel". 2010 kommt ihm das zugute, als es in der Porsche Club Historic Challenge wieder einmal um Meisterehren geht. In der Nachfolgeserie der Porsche Classic Car Trophy steht nicht ein weiterer Klassentitel zur Debatte, sondern der Gesamtsieg. Dazu muss eine lupenreine Bilanz in der Dreiliter-Kategerie abgeliefert werden, die von vier bis acht Startern frequentiert wird. Nicht nur Frontmotor-Modelle sind vertreten, sondern auch 911 SC oder Carrera 3,0. Dank ihrer Sechszylinder-Boxer suchen sie ihren Vorteil im Beschleunigen aus den Kurven heraus. Der 240 PS starke 968 hingegen kann mit seinem ausgewogenen Handling punkten. Die Erfahrung lehrt, dass mit modifizierten Motronic-Steuergeräten und sonstigen Kunstgriffen beim Dreiliter-Vierzylindermotor kein Blumentopf zu gewinnen ist. Es bleibt beim Leistungs- und Drehmomentminus gegenüber den Elfern.

Dass die Entscheidung ausgerechnet im italienischen Monza fällt, spielt Eberhard Katz und Sven Klapputh nicht unbedingt in die Karten. Das Streckenprofil lässt höhere Geschwindigkeiten zu als in Salzburg. Doch da ist auch ein gewisser Aerodynamik-Vorteil, den das flach gebaute Coupé gegenüber den Dreiliter-Elfern in die Waagschale legt. Katz und "Klappi" setzen die Sechszylinder-Fraktion mit gewohnter Geradlinigkeit unter Druck, bis feststeht: Das Meisterstück ist gemacht! Am Tag danach klemmt sich Sven Klapputh ans Telefon. In einer von Amateuren beherrschten Serie müssen die Protagonisten eben selbst von ihren Erfolgen berichten, so einfach ist das. Seine Stimme hört sich genauso unaufgeregt an wie vor fünf Jahren im Fahrerlager des Salzburgrings: "Weeste Alter, det is janz jut jeloofen für uns, wa?" Der Gesamtsiegerwagen der Porsche Club Historic Challenge 2010 sieht möglicherweise ruhigeren Zeiten entgegen. Für das kommende Jahr soll der 944 turbo konsequent auf Cup-Stand gebracht und in der Youngtimer Trophy eingesetzt werden. Es hat den Anschein, als sei eine vorletzte Rechnung zu begleichen. Was ist eigentlich aus dem 24-Stunden-Rennen Nürburgring geworden? "Ja", meint der heute 43-jährige Junge von der Spree, "det steht noch aus – irjentwie!"

Von: Carsten Krome

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