Let the Games begin! – Inside-Story eines 968 CS M 030 (1993-95)

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

1994er Porsche 968 Clubsport (CS) M030

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PORSCHE SCENE Insights

Clubsport mit dem Porsche 968 CS M 030: ein unerwartet exklusives Vergnügen

(01.12.2008) 2005 setzen die Partner PORSCHE SCENE und Kumho Tires ein Porsche 968 Coupé in der Porsche Classic Car Trophy ein. Verschiedene Fahrer sollen aufzeigen, dass Transaxle-Modelle auch im Sport eine Alternative zum 911 sein können. Dem Münchner Wolf Stratmann gefällt dieser Ansatz. Nach der Saison 2005 nimmt der Geschäftsführer im Immobilienmanagement Kontakt mit der Redaktion auf, informiert sich über Projektdetails. Doch er zieht es vor, erst einmal abzuwarten. In unserer April-Ausgabe 2008 entdeckt der Sportfahrer eine private Kleinanzeige. Der Wiener Johann Schmied bewirbt einen 1994er Porsche 968 Clubsport (CS) mit der Werksoption M030. Stratmann erkennt seine Chance und handelt einen Übergabetermin mit anschließender Testfahrt auf dem Salzburgring aus. Das Abenteuer kann beginnen...

 

Samstag, 5. April 2008, Sportfahrertraining des Porsche Club Vierseenland e.V. auf dem Salzburgring. Für Wolf Stratmann ist es ein besonderer Tag. Der 54-jährige Architekt erwartet die Anlieferung eines Porsche 968 Clubsport M030 aus dem Modelljahr 1995. Er nimmt sich vor, unmittelbar nach erfolgter Übergabe auf der Rennstrecke zu testen. Einerseits will der gebürtige Düsseldorfer den Neuerwerb auf Herz und Nieren prüfen, andererseits brennt er auf die ersten Runden wie ein kleiner Junge auf die Bescherung am Heiligen Abend. Stratmann hat immer schon Rennen fahren wollen, seinen Herzenswunsch über Jahrzehnte hinweg verdrängt – der Vernunft wegen. Als in PORSCHE SCENE 04/2008 ein Porsche 968 CS beworben wird, gibt der Wahl-Münchner alle Zurückhaltung auf. Er telefoniert mit dem Veräußerer in Wien, holt Informationen ein. Dabei stellt sich heraus, dass die 1994 ausgelieferte Clubsport-Version in drei europäischen Städten stationiert worden ist: Zürich, Berlin und zuletzt Wien eben. Die Historie kann lückenlos nachvollzogen werden. Wolf Stratmann wertet dies mit Recht als ein gutes Zeichen. Zuversichtlich stimmen darüber hinaus Hinweise aus der Alpenpokal-Szene, der Wagen sei wohlbekannt. Auf dem Weg zur Kaufzusage geht es nur um Kleinigkeiten und wohl auch um den Preis. Anstelle des Original-Glasdeckels ist eine Heckhaube aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff vorhanden. Stratmann will sie nicht – nicht schön, außerdem bleischwer. Man einigt sich. Den Probelauf auf dem Salzburgring wird der neue Besitzer bereits mit Glashaube absolvieren. Als der 968er auf dem Transportanhänger im Fahrerlager eintrifft, kann das Abenteuer beginnen.

 

Ein Porsche-Novize ist Wolf Stratmann nicht. Kurz vor dem Kauf des 968ers trennt er sich von seinem 993 2S. Eigentlich will er damit an Clubsport-Veranstaltungen teilnehmen. Doch die zu erwartenden Aufbaukosten schrecken ihn ab. Zwischen 10.000 und 15.000 Euro haben Spezialbetriebe veranschlagt. Dass Stratmann diesen Betrag auch in den Porsche 968 CS M030 stecken muss, ist ihm bewusst. Einen Ausgleich schafft der in Relation zum 993 2S günstigere Anschaffungspreis. Das einsatzfertige Auto soll nicht teurer als 30.000 Euro werden. Dass am Nachmittag des 5. April 2008 schon erste Reparaturkosten anfallen, ist typisch für ein solches Projekt. Die Kupplung erweist sich als Schwachstelle und gibt den Geist auf. Eigentlich könnte Wolf Stratmann in Ruhe zusammenpacken und Ersatz besorgen. Doch am Montag, den 7. April 2008, erwartet ihn das nächste Sportfahrertraining auf dem Salzburgring. Ausgerechnet seine Vereinskameraden des Porsche Club Isartal e.V. sind die Ausrichter. Dass über Nacht zwölf Zentimeter Neuschnee fallen und die Veranstaltung bei vier Grad minus abgesagt werden muss, ahnt nach dem schönen Wetter am Samstag niemand. Erst einmal ist Wochenendarbeit angesagt, und die übernimmt Ralf Skatulla. Der Werkstattbesitzer aus Taufkirchen im Süden von München bedient Porsche-Sportfahrer aus der Region. Dass die Kundschaft gern an Sonn- und Feiertagen Handlungsbedarf anmeldet, liegt in der Natur der Sache. Und so wechselt Skatulla termingerecht die Kupplung. Beschaffungsprobleme bestehen beim Porsche 968 Clubsport M030 zumindest in diesem Punkt nicht – die Kupplung des 964 RS passt genauso. Skatulla und seiner Firma Autoaktiv verschafft der Sondereinsatz einen neuen Kunden.

 

Das ausgefallene Sportfahrertraining am 7. April 2008 wird zum Brainstorming genutzt. Wolf Stratmann formuliert harte Vorgaben: 1.100 Kilogramm soll der Wagen wiegen, 285 PS der Dreiliter-Saugmotor leisten. Das sind Werte, die nur  während einer Winterpause erarbeitet werden könnten. Mit dem Saisonauftakt am 17. Mai 2008 in Salzburg vor Augen drängt aber die Zeit. Ralf Skatulla gibt die Empfehlung ab, möglichst wenige Komponenten auszutauschen. Vorhandenes soll optimiert und feinjustiert werden – oder wegfallen. Verzicht auf Ausstattungsdetails steht in der Prioritätenliste ganz oben. Was nicht unbedingt notwendig ist, entfällt. Davon ist vor allem das Interieur betroffen. Die Sitz- und Lenkpositionen legt die Radlastwaage fest. Dabei wird das Gewicht des Fahrers so geschickt im Wagen platziert, dass beide Achsen gleichmäßig belastet werden. Einzelne Komponenten wandern nach hinten in die Reserveradmulde.

 

Konzeptionelle Vorzüge der Transaxle-Bauweise sollen unterstützt, alle vier Reifen in gleichem Maße beansprucht werden. Wer mit 245 PS haushalten muss – mehr Leistung steht nach großem Motorservice nicht zur Verfügung –, muss sich an der Supertourenwagen-Meisterschaft, kurz STW, orientieren. Reibungsoptimierung ist zwischen 1994 und ‘99 das entscheidende Stichwort gewesen. Hersteller wie Audi, BMW oder Opel haben viel Geld ausgegeben, um auf schmalen Reifen möglichst schnell fahren zu können. Ralf Skatulla nimmt sich daran ein Beispiel und kommt mit 240 Millimeter breiten Michelin-Slicks aus – an allen vier Rädern. Diese Gleichheit ist das Ergebnis seiner Feinarbeit mit der Radlastwaage. Um es vorwegzunehmen: Stratmann wird mit ein und demselben Reifensatz die Saison bestreiten können, so ausgeglichen sieht das Verschleißbild der Reifen aus.

 

Anfangs liegt das natürlich auch an fahrerischer Zurückhaltung. Beim ersten Renneinsatz in Salzburg setzt sich die Erkenntnis durch, einen anderen Weg wählen zu müssen als beispielsweise die favorisierten 911er. Auch in diesem Punkt ähnelt der 968 einem STW-Tourenwagen aus den neunziger Jahren. Mit ihren knapp 300 PS müssen sie weich und ohne Reibungsverluste gesteuert werden wie Indoor-Karts. In Kurven sind große, weite  Bögen von Vorteil. Freilich bringt diese Fahrtechnik ein Problem mit sich. Wer den Lenkradius früh öffnet, strebt unweigerlich der Fahrbahnbegrenzung entgegen, wo sich fast immer Dreck und Reifenabrieb ansammeln. Dort ist es rutschiger, und gleich hinter dem Fahrbahnrand lauern Wiese oder Kiesbett. Auf dem Salzburgring gönnt sich Stratmann noch einen Respektabstand zwischen eigener Linie und der Streckenbegrenzung. Er freut sich über erste Positionsverbesserungen im Histo-Cup und eine perfekt organisierte Veranstaltung mit vielen Zuschauern. Der Mozartpreis vor den Toren Salzburgs ist nicht nur der Auftakt, sondern gleichzeitig auch das Highlight einer jeden Saison – wir berichteten zuletzt in unserer August-Ausgabe 2008 unter dem Titel "Mozart-Double".

 

Noch etwas nimmt Stratmann vom Salzburgring mit: ein Lob bei der technischen Abnahme. Die Sportkommissare bescheinigen dem Porsche 968 CS M030 des Neueinsteigers ein sauberes Finish. Die Waage zeigt 1.174 Kilogramm an – weniger Gewicht ist ohne Hauben und Türen aus Kunststoff nicht zu erwarten. Einer Nachbereitung bei Ralf Skatulla folgt am 30. Mai 2008 der nächste Einsatz. Der Pannoniaring ruft, ein Rundkurs in Ungarn. 570 Kilometer sind von München aus zu absolvieren. Stratmann nimmt die Strecke am Donnerstag unter die Räder, den Anhänger mit dem Porsche hinter sich herziehend. Gegen Mitternacht erreicht er sein Ziel.

 

Am Freitagmorgen stehen freies Fahren und ein Kennenlernen des Pannoniarings auf dem Programm. Unangenehm heiß ist es. Die Kühlwassertemperatur klettert in ungeahnte Höhen. Skatullas Betreuungsteam muss eingreifen, die Durchlüftung des Motorraums sicherstellen. Bislang hatte es geheißen, diese Maßnahme sei nur bei Vierzylinder-Turbomotoren geboten. Der Hitzestau im 968 drängt zu radikalen Schritten vom Luftloch in der Frontmaske bis hin zum Entfall des Scheibenwischers. Das einfache Prinzip: möglichst viel frische Luft in den Motorraum hinein, möglichst dieselbe Menge an heißer Luft wieder hinaus! Bis zum Zeittraining am Samstag vermeldet die von Transaxle-Fahrern gefürchtete Wassertemperatur-Anzeige: alles okay. Ein zweiter 968 des Teams Autoaktiv, von James Melinz pilotiert, sichert sich mit einer halben Sekunde Vorsprung den besseren Startplatz. Für Wolf Stratmann ist die Welt in Ordnung. Er hat ausreichenden Rennspeed, um mithalten zu können. Das zeigt sich auch beim ersten Lauf am Sonntag. Im Kampfgetümmel der ersten Runde rutscht der schwarze 968 von der Piste und gräbt sich ins Kiesbett ein – das Aus. Drei Stunden später ist der Frontmotor-Porsche wieder mit von der Partie, zoomt sich aus der vorletzten Startreihe zurück ins Mittelfeld. Der zweite Durchgang beschert Racing pur. Zwei Monate später erst ruft der Hockenheimring. Alpenpokal und Histo-Cup absolvieren die Veranstaltung gemeinsam – Anlass genug, einen Doppelstart zu riskieren. Vorher geht es zu Gustl Schmids Charity-Event an den Salzburgring. Das Material bewährt sich, nennenswerte Verschleißerscheinungen treten nicht auf. Dennoch ist eine 2.000 Euro teure Ersatzteilbox der ständige Begleiter. Sie enthält neben Zahnriemen Bremsscheiben und Pagid-Beläge. Gelochte, innenbelüftete Scheiben können trotz Sichtprüfung reißen und ausbrechen. Gut beraten ist, wer einen zweiten Satz dabei hat.

 

Am 31. August 2008 wird diese Feststellung zur Randnotiz. Es ist wieder Renntag auf dem Pannoniaring, zum zweiten Mal in diesem Sportjahr. Stratmann ist in der Anfangsphase mitten im Pulk unterwegs, als er eingangs Start und Ziel den Lenkwinkel früh öffnet. Er hat es einstudiert und verinnerlicht. Dabei gerät er ins Gras. Doch die Wiese ist uneben. Eine Bodenwelle hebelt den Porsche aus, der im rechten Winkel zur Fahrbahn abbiegt und auf der gegenüberliegenden Seite der Fahrbahn hart in die Leitplanke einschlägt. Dank moderner Sicherheitseinrichtungen – Wiechers-Überrollkäfig, Rennsitz, Fahrerbekleidung – kommt Stratmann ohne Verletzungen davon. Am Porsche 968 CS M030 entsteht Totalschaden. Ein Aufkäufer übernimmt den Restwert. An einen Wiederaufbau ist nicht zu denken – vorzeitiges Ende eines Traums? Beim Ausblick auf das kommende Sportjahr erwähnt er einen zweiten 968 in Ralf Skatullas Bestand. Der ist nach kapitalem Motorschaden mit einem Vierzylinder-Turbo versehen worden und wäre sogar geeignet, weiter vorne zu fahren. Besonders clever: Das begehrte Sechsgang-Getriebe ist natürlich schon enthalten. Im 944 turbo hätte es für viel Geld nachgerüstet werden müssen. Bleibt die Liaison Stratmann/Skatulla dem Histo-Cup treu, wären ehemalige DTM-Autos die Benchmark. Anders läge der Fall in der SuperSport-Serie des Alpenpokals. Über das Feld der Vierzylinder berichteten wir in unserer Oktober-Ausgabe 2008. Die Entscheidung, wohin die Reise führt, wird demnächst fallen. 

Weitere Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie!

Von: Carsten Krome | Fotos: Rudi Schulz, Wolf Stratmann, Team Autoaktiv Motorsport

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